{"id":4214,"date":"2026-04-30T18:39:06","date_gmt":"2026-04-30T18:39:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.museum.de\/blog\/?p=4214"},"modified":"2026-04-30T19:15:15","modified_gmt":"2026-04-30T19:15:15","slug":"baselitz-jetzt-gegenwart-als-zumutung-und-behauptung-salzburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.museum.de\/blog\/baselitz-jetzt-gegenwart-als-zumutung-und-behauptung-salzburg\/","title":{"rendered":"Baselitz jetzt: Gegenwart als Zumutung und Behauptung \u2013 Salzburg"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-cover\" style=\"margin-top:2rem;margin-bottom:2rem\"><span aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-cover__background has-ast-global-color-7-background-color has-background-dim\"><\/span><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"660\" height=\"440\" src=\"https:\/\/www.museum.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Baselitz_Jetzt__4__d40bcf4848.jpg\" class=\"wp-block-cover__image-background wp-post-image\" alt=\"\" data-object-fit=\"cover\" srcset=\"https:\/\/www.museum.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Baselitz_Jetzt__4__d40bcf4848.jpg 660w, https:\/\/www.museum.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Baselitz_Jetzt__4__d40bcf4848-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><div class=\"wp-block-cover__inner-container is-layout-constrained wp-block-cover-is-layout-constrained\">\n<h1 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-ast-global-color-5-color has-text-color has-link-color has-x-large-font-size wp-elements-57ec319ce1feedf11ef173dd0e021d94\">Baselitz jetzt: Gegenwart als Zumutung und Behauptung \u2013 Salzburg<\/h1>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Wenn von deutscher Nachkriegskunst die Rede ist, f\u00fchrt an Georg Baselitz kaum ein Weg vorbei. Seit den 1960er Jahren hat er das Verh\u00e4ltnis von Figur, Geschichte und malerischer Geste mit einer Radikalit\u00e4t befragt, die bis heute nachwirkt. Baselitz geh\u00f6rt zu jenen K\u00fcnstlern, die nicht blo\u00df einen unverwechselbaren Stil ausgebildet haben, sondern die Bedingungen des Bildes selbst zum Gegenstand machten. Seine ber\u00fchmt gewordenen auf den Kopf gestellten Motive sind dabei nie nur ein Wiedererkennungszeichen gewesen. Vielmehr markieren sie eine Methode der Verfremdung, ein bewusstes Hindernis gegen allzu schnelle Lesbarkeit. Die Ausstellung <strong>\u201eBaselitz jetzt\u201c<\/strong> im Museum der Moderne Salzburg setzt genau hier an: nicht als retrospektive Nacherz\u00e4hlung eines kanonischen Werks, sondern als konzentrierter Blick auf das Sp\u00e4twerk eines K\u00fcnstlers, der sich dem eigenen Ruhm nicht ergeben hat.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Sp\u00e4twerk<\/h2>\n\n\n\n<p>Im Zentrum der Schau stehen aktuelle Arbeiten, die zeigen, wie unbeirrt Baselitz auch im hohen Alter an einer Kunst festh\u00e4lt, die Reibung erzeugen will. Das Sp\u00e4twerk erscheint hier nicht als ruhig gewordene Summe eines Lebenswerks, sondern als Phase neuer Verdichtung. Die Gestik wird freier, der Bildraum offener, die Figuren scheinen sich zwischen Aufl\u00f6sung und Behauptung zu bewegen. Gerade darin liegt die eigent\u00fcmliche Spannung dieser Werke: Sie sind von gro\u00dfer malerischer Souver\u00e4nit\u00e4t und zugleich von einer demonstrativen Br\u00fcchigkeit gepr\u00e4gt. Nichts wirkt abschlie\u00dfend gekl\u00e4rt, alles bleibt in Bewegung.<\/p>\n\n\n\n<p>Inhaltlich kreist Baselitz weiterhin um Themen, die sein Werk seit Jahrzehnten bestimmen: K\u00f6rper und Fragment, Erinnerung und Identit\u00e4t, Herkunft und historische Last. Doch in den neueren Arbeiten treten Motive des Alterns, der Endlichkeit und der Selbstbefragung st\u00e4rker hervor. Das eigene K\u00fcnstlerdasein wird zum Bildgegenstand, ohne in blo\u00dfe Selbstinszenierung umzuschlagen. Vielmehr zeigt sich ein K\u00fcnstler, der die Verletzlichkeit des K\u00f6rpers ebenso ernst nimmt wie die Persistenz der Malerei. Das macht diese Ausstellung auch zu einem Nachdenken \u00fcber Zeit: \u00fcber historische Zeit, biografische Zeit und die Zeit des Blicks.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Pr\u00e4sentation gewinnt ihre Kraft aus der Konzentration. Sie setzt nicht auf \u00dcberf\u00fclle, sondern auf eine pr\u00e4zise Auswahl, die Baselitz\u2019 j\u00fcngste Arbeit als offene Denkbewegung lesbar macht. Gerade diese kuratorische Zur\u00fcckhaltung ist \u00fcberzeugend. Die Ausstellung scheint weniger darauf aus zu sein, ein monumentales K\u00fcnstlerbild zu festigen, als die Widerspr\u00fcche und Verschiebungen im Werk sichtbar zu machen. Dadurch entsteht keine triumphale Altersbilanz, sondern eine differenzierte, manchmal sperrige, aber gerade deshalb erhellende Erz\u00e4hlung \u00fcber k\u00fcnstlerische Beharrlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Baselitz ist das Bild kein Fenster zur Welt, sondern ein Austragungsort von Konflikten. Diese Haltung wird in der Inszenierung deutlich, sofern die R\u00e4ume den Arbeiten gen\u00fcgend Eigenst\u00e4ndigkeit lassen. Die H\u00e4ngung folgt offenbar keiner rein chronologischen Logik, sondern bevorzugt motivische und formale Korrespondenzen. Das erlaubt es, Entwicklungen im Werk nicht als linearen Fortschritt zu lesen, sondern als Wiederaufnahme, Variation und Brechung. Solche kuratorischen Entscheidungen sind bei einem K\u00fcnstler wie Baselitz besonders sinnvoll, weil sein Werk ohnehin nicht aus harmonischer Entwicklung besteht, sondern aus wiederholten Setzungen, R\u00fccknahmen und Konfrontationen.<\/p>\n\n\n\n<p>Besondere Aufmerksamkeit verdienen jene Arbeiten, in denen die Figur fast nur noch als Spur auftritt. Hier zeigt sich Baselitz als Maler, der den Gegenstand nie ganz verabschiedet, ihn aber an die Grenze der Erkennbarkeit treibt. Diese Ambivalenz \u2013 zwischen Figuration und formaler Eigenst\u00e4ndigkeit \u2013 geh\u00f6rt zu den st\u00e4rksten Momenten der Ausstellung. Zugleich wird sichtbar, wie sehr Baselitz\u2019 Werk in der Tradition europ\u00e4ischer Malerei steht, ohne in Traditionalismus zu verfallen. Ankl\u00e4nge an den Expressionismus, an barocke K\u00f6rperlichkeit oder an die Wucht eines existenziell aufgeladenen Bildbegriffs lassen sich erkennen, doch sie erscheinen stets transformiert, in eine heutige, oft harsche Bildsprache \u00fcberf\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang der Gegenwartskunst wirkt Baselitz weiterhin wie ein Solit\u00e4r. In einer Zeit, in der sich Kunst oft diskursiv absichert oder in installativen Raumkonzepten entfaltet, beharrt er auf der Malerei als unmittelbarer Form der Setzung. Das kann altmeisterlich wirken, bisweilen auch trotzig. Doch gerade diese Sperrigkeit bewahrt die Relevanz seines Werks. \u201eBaselitz jetzt\u201c zeigt, dass Malerei auch heute noch ein Medium sein kann, in dem Erfahrung nicht illustriert, sondern zugespitzt wird. Die Ausstellung ist deshalb mehr als ein Beitrag zur Pflege eines gro\u00dfen Namens; sie ist auch ein Pr\u00fcfstein f\u00fcr die Frage, wie gegenw\u00e4rtig eine heroisch aufgeladene, k\u00f6rperlich forcierte Malerei heute noch sein kann.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Museum in Salzburg<\/h2>\n\n\n\n<p>Das <strong>Museum der Moderne Salzburg<\/strong> bietet f\u00fcr eine solche Auseinandersetzung einen passenden Rahmen. Mit seinen beiden H\u00e4usern, dem Rupertinum in der Altstadt und dem markant \u00fcber der Stadt gelegenen Museum auf dem M\u00f6nchsberg, geh\u00f6rt es zu den wichtigsten Institutionen f\u00fcr moderne und zeitgen\u00f6ssische Kunst in \u00d6sterreich. Das Haus am M\u00f6nchsberg \u00fcberzeugt nicht nur durch seine klare, zeitgen\u00f6ssische Architektur und die eindrucksvolle Lage \u00fcber den D\u00e4chern Salzburgs, sondern auch durch ein Ausstellungsprogramm, das internationale Positionen mit kunsthistorischer Reflexion verbindet. Die Sammlung umfasst zentrale Werke der Moderne und Gegenwart und hat dem Museum einen festen Platz in der mitteleurop\u00e4ischen Museumslandschaft gesichert. Gerade in Salzburg, einer Stadt, die oft zuerst mit Musik und Festspielkultur assoziiert wird, setzt das Museum einen wichtigen bildk\u00fcnstlerischen Akzent.<\/p>\n\n\n\n<p>Praktisch ist die Ausstellung im <strong>Museum der Moderne Salzburg<\/strong> zu sehen; die genauen Angaben zu Laufzeit, \u00d6ffnungszeiten, Eintrittspreisen, F\u00fchrungen und Serviceangeboten finden sich auf der Website des Hauses. Dort sind in der Regel auch Hinweise zur Anreise verf\u00fcgbar, sowohl f\u00fcr den Zugang zum M\u00f6nchsberg als auch zu \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln, Barrierefreiheit und aktuellen Ticketinformationen. Angesichts der Lage des Museums empfiehlt es sich, den Besuch mit etwas Zeit f\u00fcr den Ort selbst zu verbinden: Der M\u00f6nchsberg ist nicht nur musealer Standort, sondern Teil des Gesamterlebnisses.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Fazit f\u00e4llt positiv aus, wenn auch nicht vorbehaltlos. \u201eBaselitz jetzt\u201c ist keine gef\u00e4llige Ausstellung, und sie will es erkennbar auch nicht sein. Wer von ihr harmonische Altersweisheit oder vers\u00f6hnliche R\u00fcckschau erwartet, wird eher auf Widerst\u00e4nde treffen. Gerade das ist ihre Qualit\u00e4t. Die Schau zeigt einen K\u00fcnstler, der sich dem Status des Klassikers entzieht, indem er weiter riskiert. Nicht jede Arbeit mag dieselbe Intensit\u00e4t entfalten, nicht jede Geste hat noch die Schockkraft fr\u00fcherer Jahrzehnte. Aber die Ausstellung macht sichtbar, dass Baselitz\u2019 Sp\u00e4twerk keine blo\u00dfe Verl\u00e4ngerung des Bekannten ist. Es ist ein ernsthafter, bisweilen rauer Versuch, Malerei als Ort der Gegenwart zu behaupten. In einer Kunstlandschaft, die sich gern in Eindeutigkeiten einrichtet, ist das von beachtlicher Dringlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Informationen zur Ausstellung:<a href=\"https:\/\/www.museumdermoderne.at\/ausstellungen\/detail\/baselitz-jetzt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><br>https:\/\/www.museumdermoderne.at\/ausstellungen\/detail\/baselitz-jetzt\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn von deutscher Nachkriegskunst die Rede ist, f\u00fchrt an Georg Baselitz kaum ein Weg vorbei. Seit den 1960er Jahren hat er das Verh\u00e4ltnis von Figur, Geschichte und malerischer Geste mit einer Radikalit\u00e4t befragt, die bis heute nachwirkt. 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