{"id":4267,"date":"2026-06-12T12:07:07","date_gmt":"2026-06-12T12:07:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.museum.de\/blog\/?p=4267"},"modified":"2026-06-12T12:07:15","modified_gmt":"2026-06-12T12:07:15","slug":"david-hockney-in-der-serpentine-malerei-als-zeitraum-landschaft-als-gedaechtnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.museum.de\/blog\/david-hockney-in-der-serpentine-malerei-als-zeitraum-landschaft-als-gedaechtnis\/","title":{"rendered":"David Hockney in der Serpentine: Malerei als Zeitraum, Landschaft als Ged\u00e4chtnis"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-cover\" style=\"margin-top:2rem;margin-bottom:2rem\"><span aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-cover__background has-background-dim\" style=\"background-color:#3e3a3d\"><\/span><img decoding=\"async\" width=\"1335\" height=\"1001\" src=\"https:\/\/www.museum.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Serp_Hockney_2026_020.1-1335x1001-1.jpg\" class=\"wp-block-cover__image-background wp-post-image\" alt=\"David Hockney: A Year in Normandie and Some Other Thoughts about Painting, installation view, Serpentine North, 2026 \u00a9 David Hockney. Photo: George Darrell\" data-object-fit=\"cover\" srcset=\"https:\/\/www.museum.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Serp_Hockney_2026_020.1-1335x1001-1.jpg 1335w, https:\/\/www.museum.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Serp_Hockney_2026_020.1-1335x1001-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.museum.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Serp_Hockney_2026_020.1-1335x1001-1-1248x936.jpg 1248w, https:\/\/www.museum.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Serp_Hockney_2026_020.1-1335x1001-1-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1335px) 100vw, 1335px\" \/><div class=\"wp-block-cover__inner-container is-layout-constrained wp-block-cover-is-layout-constrained\">\n<h1 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-ast-global-color-5-color has-text-color has-link-color has-x-large-font-size wp-elements-0172a841c544ed2c93002b0b2093f833\">David Hockney in der Serpentine: Malerei als Zeitraum, Landschaft als Ged\u00e4chtnis<\/h1>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn von David Hockney die Rede ist, f\u00e4llt meist rasch das Stichwort der heiteren Modernit\u00e4t: Swimmingpools, kalifornisches Licht, klare Linien, die demonstrative Lust an Farbe und Fl\u00e4che. Doch diese gel\u00e4ufige Ikonographie greift zu kurz. Hockneys Werk war stets auch von einer beharrlichen Auseinandersetzung mit den Grundfragen der Malerei bestimmt: Wie l\u00e4sst sich Zeit in Bildern fassen? Wie verh\u00e4lt sich Sehen zum Erinnern? Und wie kann eine Landschaft mehr sein als blo\u00dfe Ansicht, n\u00e4mlich Erfahrungsraum, Bewegung, Dauer? Die Ausstellung <strong>\u201eDavid Hockney: A Year in Normandie and Some Other Thoughts About Painting\u201c<\/strong> in der Serpentine Galleries in London setzt genau hier an. Sie zeigt einen K\u00fcnstler, der im hohen Alter nicht retrospektiv erstarrt, sondern mit erstaunlicher Frische und formaler Unruhe weiterarbeitet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein monumentales Jahresbild<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Zentrum der Ausstellung steht Hockneys monumentales Werk <strong>\u201eA Year in Normandie\u201c<\/strong>. Dieses mehr als 90 Meter lange Bild entstand auf dem iPad und wurde als kontinuierlicher Fries konzipiert. Es zeigt einen Garten in der Normandie, den Wechsel der Jahreszeiten, das Wachsen, Vergehen und Wiederkehren der Vegetation. Schon das Format ist mehr als spektakul\u00e4r; es ist programmatisch. Hockney interessiert nicht die einzelne pittoreske Ansicht, sondern der fortlaufende Rhythmus der Natur. Der Garten wird zum Zeitband, das Fr\u00fchling, Sommer, Herbst und Winter nicht trennt, sondern als visuelle Kontinuit\u00e4t erfahrbar macht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Darin liegt eine kunsthistorische Pointe. Der Fries erinnert an historische Bildtraditionen, an Tapisserien ebenso wie an panoramatische Erz\u00e4hlformen. Zugleich verweigert Hockney die lineare Narration. Sein Normandie-Bild ist weder klassisches Landschaftsgem\u00e4lde noch blo\u00df digitale Zeichnung, sondern eine malerische Meditation \u00fcber Dauer. Dass dieses Werk auf einem iPad entstand, ist dabei nicht nebens\u00e4chlich. Hockney z\u00e4hlt seit langem zu jenen K\u00fcnstlern, die digitale Werkzeuge nicht als Gegensatz zur Malerei begreifen, sondern als Erweiterung ihres Vokabulars. Die technische Neuerung dient nicht dem Effekt, sondern der Intensivierung eines alten Problems: Wie kann ein Bild den Fluss der Zeit speichern?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Natur, Wahrnehmung, Erinnerung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die inhaltlichen Schwerpunkte der Ausstellung kreisen um jene Themen, die Hockney seit Jahrzehnten besch\u00e4ftigen: Landschaft, Perspektive, Wahrnehmung und die M\u00f6glichkeiten des Bildes im Zeitalter technischer Reproduzierbarkeit. \u201eA Year in Normandie\u201c steht dabei nicht isoliert, sondern wird von weiteren Arbeiten begleitet, die als Reflexionsr\u00e4ume fungieren. Der Untertitel <strong>\u201eand Some Other Thoughts About Painting\u201c<\/strong> ist w\u00f6rtlich zu nehmen: Die Ausstellung ist nicht blo\u00df Pr\u00e4sentation eines Hauptwerks, sondern eine Art visuelles Essay \u00fcber Malerei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hockneys Position ist in ihrer Konsequenz bemerkenswert unzeitgem\u00e4\u00df und gerade deshalb gegenw\u00e4rtig. W\u00e4hrend weite Teile der zeitgen\u00f6ssischen Kunst auf Diskurs, Archiv oder soziale Intervention setzen, besteht er auf der Produktivit\u00e4t des Sehens. Das ist keineswegs eskapistisch. In der Konzentration auf B\u00e4ume, Wege, Bl\u00e4tter und Lichtverh\u00e4ltnisse steckt vielmehr eine beharrliche Verteidigung der Aufmerksamkeit. Gerade ein Werk wie \u201eA Year in Normandie\u201c, entstanden in einer Zeit globaler Verunsicherung, liest sich auch als Antwort auf eine beschleunigte, medial \u00fcberformte Gegenwart: als Entschleunigung durch Bildarbeit.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kuratorisches Konzept: Raum als Bildtr\u00e4ger<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Serpentine inszeniert das Hauptwerk nicht als blo\u00dfes Ausstellungsobjekt, sondern als r\u00e4umliche Erfahrung. Das lange, horizontale Format verlangt eine andere Rezeptionsweise als das \u00fcbliche Stehen vor einem Einzelbild. Man bewegt sich am Werk entlang, tastet gewisserma\u00dfen die Zeit ab. Diese Choreographie des Schauens geh\u00f6rt zum kuratorischen Konzept. Die Ausstellung macht anschaulich, dass Hockneys Bild nicht auf einen Blick konsumiert werden kann; es entfaltet sich seriell, beinahe filmisch, und verlangt ein k\u00f6rperliches Verh\u00e4ltnis zum Raum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade diese Inszenierung ist eine St\u00e4rke der Pr\u00e4sentation. Sie betont den Zusammenhang von Malerei und Bewegung, ohne die Arbeiten in Event\u00e4sthetik aufzul\u00f6sen. Der Raum wird zum Resonanzk\u00f6rper f\u00fcr Hockneys \u00dcberlegungen zur Perspektive. Seit langem wendet er sich gegen die Herrschaft des fotografischen Ein-Punkt-Blicks und pl\u00e4diert f\u00fcr ein multipleres, lebendigeres Sehen. In der Serpentine wird diese Haltung in eine \u00fcberzeugende Ausstellungsdramaturgie \u00fcbersetzt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hockney im Sp\u00e4twerk: keine Bilanz, sondern Verdichtung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es w\u00e4re verf\u00fchrerisch, die Ausstellung als sp\u00e4tes Res\u00fcmee eines gro\u00dfen Malers zu lesen. Doch treffender ist es, von einer Verdichtung zu sprechen. Hockney kehrt in der Normandie zu Motiven zur\u00fcck, die sein Werk seit langem strukturieren, und f\u00fchrt sie zugleich in neue mediale und formale Zusammenh\u00e4nge. Die Landschaft wird nicht idealisiert, sondern als Ort permanenter Ver\u00e4nderung begriffen. Das iPad fungiert nicht als modische Geste, sondern als Werkzeug einer Malerei, die hellwach geblieben ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Werkzusammenhang erscheint \u201eA Year in Normandie\u201c daher als Fortsetzung jener gro\u00df angelegten Naturbeobachtungen, die schon die Yorkshire-Bilder ausgezeichnet haben. Zugleich verschiebt sich der Akzent. Wo fr\u00fchere Arbeiten oft noch st\u00e4rker in der Tradition des Tafelbildes oder des mehrteiligen Landschaftspanoramas standen, gewinnt hier die Vorstellung des kontinuierlichen Bildstroms die Oberhand. Hockney bleibt Maler, aber einer, der die Grenzen des Mediums ausdehnt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Serpentine Galleries als Ort<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die <strong>Serpentine Galleries<\/strong> geh\u00f6ren seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Institutionen f\u00fcr moderne und zeitgen\u00f6ssische Kunst in London. Im Kensington Gardens gelegen, verbinden sie eine besondere kulturelle Lage mit programmatischer Offenheit. Die Serpentine South, ein klassizistisches Geb\u00e4ude aus dem 19. Jahrhundert, und die Serpentine North mit ihrer markanten Erweiterung von Zaha Hadid stehen exemplarisch f\u00fcr das Profil des Hauses: historische Architektur und gegenw\u00e4rtige Kunst in produktiver Spannung. Die Institution ist weniger Sammlungsmuseum als Ausstellungshaus, das immer wieder pr\u00e4gnante, diskursive Pr\u00e4sentationen erm\u00f6glicht. F\u00fcr einen K\u00fcnstler wie Hockney, der zwischen Tradition und Gegenwart operiert, ist dies ein passender Ort.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Praktische Informationen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ausstellung <strong>\u201eDavid Hockney: A Year in Normandie and Some Other Thoughts About Painting\u201c<\/strong> war in den Serpentine Galleries in London zu sehen. Die Serpentine befindet sich in <strong>Kensington Gardens, London<\/strong>. Die H\u00e4user sind in der Regel gut mit \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar, unter anderem \u00fcber die U-Bahn-Stationen <strong>Lancaster Gate, Marble Arch, Knightsbridge<\/strong> oder <strong>South Kensington<\/strong>, je nach Zugang und gew\u00e4hltem Galeriestandort. Die Serpentine Galleries sind bekannt daf\u00fcr, <strong>kostenfreien Eintritt<\/strong> anzubieten, was f\u00fcr Londoner Institutionen dieser Qualit\u00e4t bemerkenswert bleibt. \u00dcbliche Informationen zu \u00d6ffnungszeiten, Barrierefreiheit, Serviceangeboten und eventuellen Begleitveranstaltungen werden \u00fcber die Website der Institution bereitgestellt. Da Ausstellungen, Zeitfenster und organisatorische Details variieren k\u00f6nnen, ist der Blick auf die aktuelle Museumsseite unerl\u00e4sslich.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-background is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\" style=\"background-color:#cce9fa\">\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Praktische Informationen f\u00fcr den Besuch<\/h4>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Ort:<\/strong> Serpentine North Gallery, London<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Ausstellungszeitraum:<\/strong> 12 March &#8211; 23 August 2026<\/li>\n\n\n\n<li><strong>\u00d6ffnungszeiten:<\/strong> Dienstag \u2013 Sonntag, Feiertag 11 \u2013 18 Uhr<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Ausstellung ist keine sentimentale Feier eines prominenten K\u00fcnstlernamens, sondern eine konzentrierte Untersuchung dar\u00fcber, was Malerei heute noch leisten kann. Hockneys Normandie-Bild beeindruckt nicht nur durch seine Dimension, sondern durch seine intellektuelle Klarheit. Es zeigt Natur als Abfolge und Gleichzeitigkeit, als Erinnerung und Beobachtung, als malerisch erzeugten Zeitraum. Die Serpentine gelingt es, diese Idee r\u00e4umlich plausibel zu machen und Hockneys \u00dcberlegungen zur Wahrnehmung in eine schl\u00fcssige Ausstellungserfahrung zu \u00fcberf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kritisch lie\u00dfe sich anmerken, dass Hockneys emphatisches Festhalten am Sehen bisweilen den sozialen und politischen Horizont der Gegenwart ausblendet. Doch gerade in dieser Konzentration liegt auch die Eigenst\u00e4ndigkeit seines Ansatzes. Die Ausstellung behauptet die Relevanz der Malerei nicht \u00fcber theoretische Absicherung, sondern \u00fcber Anschauung. Das ist anspruchsvoll, altmodisch im besten Sinne und \u00fcberraschend gegenw\u00e4rtig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ausstellungslink:<br><a href=\"https:\/\/www.serpentinegalleries.org\/whats-on\/david-hockney-a-year-in-normandie-and-some-other-thoughts-about-painting-exhibition-serpentine-galleries\/\">https:\/\/www.serpentinegalleries.org\/whats-on\/david-hockney-a-year-in-normandie-and-some-other-thoughts-about-painting-exhibition-serpentine-galleries\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bildquelle:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">David Hockney: A Year in Normandie and Some Other Thoughts about Painting, installation view, Serpentine North, 2026 \u00a9 David Hockney. Photo: George Darrell<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn von David Hockney die Rede ist, f\u00e4llt meist rasch das Stichwort der heiteren Modernit\u00e4t: Swimmingpools, kalifornisches Licht, klare Linien, die demonstrative Lust an Farbe und Fl\u00e4che. Doch diese gel\u00e4ufige Ikonographie greift zu kurz. 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