{"id":4466,"date":"2026-09-23T09:00:00","date_gmt":"2026-09-23T09:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.museum.de\/blog\/?p=4466"},"modified":"2026-09-22T11:27:00","modified_gmt":"2026-09-22T11:27:00","slug":"der-koerper-als-speicher-der-geschichte-ron-mueck-im-centre-pompidou-x-hanwha-seoul","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.museum.de\/blog\/der-koerper-als-speicher-der-geschichte-ron-mueck-im-centre-pompidou-x-hanwha-seoul\/","title":{"rendered":"Der K\u00f6rper als Speicher der Geschichte: \u201eRon Mueck\u201c im Centre Pompidou x Hanwha Seoul"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-cover\" style=\"margin-top:2rem;margin-bottom:2rem\"><span aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-cover__background has-background-dim\" style=\"background-color:#5b5e63\"><\/span><img decoding=\"async\" width=\"1600\" height=\"1056\" src=\"https:\/\/www.museum.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/centre-pompidu-korea.webp\" class=\"wp-block-cover__image-background wp-post-image\" alt=\"\" data-object-fit=\"cover\" srcset=\"https:\/\/www.museum.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/centre-pompidu-korea.webp 1600w, https:\/\/www.museum.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/centre-pompidu-korea-300x198.webp 300w, https:\/\/www.museum.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/centre-pompidu-korea-1248x824.webp 1248w, https:\/\/www.museum.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/centre-pompidu-korea-768x507.webp 768w, https:\/\/www.museum.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/centre-pompidu-korea-1536x1014.webp 1536w\" sizes=\"(max-width: 1600px) 100vw, 1600px\" \/><div class=\"wp-block-cover__inner-container is-layout-constrained wp-block-cover-is-layout-constrained\">\n<h1 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-ast-global-color-5-color has-text-color has-link-color has-x-large-font-size wp-elements-1\">Der K\u00f6rper als Speicher der Geschichte: \u201eRon Mueck\u201c im Centre Pompidou x Hanwha Seoul<\/h1>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Skulptur hat in der Kunstgeschichte stets ein besonderes Verh\u00e4ltnis zur Wirklichkeit unterhalten. Von der idealisierten K\u00f6rperauffassung der Antike \u00fcber den expressiven Realismus des 19. Jahrhunderts bis zu den konzeptuellen Entgrenzungen der Gegenwart war sie immer auch ein Schauplatz der Frage, was ein Mensch im Bild der Kunst eigentlich ist. Kaum ein zeitgen\u00f6ssischer Bildhauer hat diese Frage so eindringlich und verst\u00f6rend zugleich gestellt wie Ron Mueck. Seine Figuren sind keine blo\u00dfen Abbilder des Menschen, sondern verdichtete psychologische Zust\u00e4nde \u2013 von Einsamkeit, Verletzlichkeit, Scham, M\u00fcdigkeit, Alter und stiller W\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Ausstellung <strong>\u201eRon Mueck\u201c<\/strong> widmet das <strong>Centre Pompidou x Hanwha Seoul<\/strong> dem australisch-britischen K\u00fcnstler eine Pr\u00e4sentation, die seine Arbeit in einem institutionell wie kulturell bemerkenswerten Rahmen versammelt. Dass diese Schau in Seoul stattfindet, ist mehr als ein weiterer internationaler Tourstopp. Sie markiert die Ankunft eines K\u00fcnstlers im ostasiatischen Ausstellungsraum, dessen Werk jenseits aller sprachlichen und kulturellen Barrieren unmittelbar lesbar bleibt: als konzentrierte Studie \u00fcber die conditio humana.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hyperrealismus jenseits der blo\u00dfen T\u00e4uschung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer Ron Mueck allein unter dem Etikett des Hyperrealismus fasst, greift zu kurz. Zwar ist die technische Perfektion seiner Skulpturen legend\u00e4r: Haut, Haare, Falten, Adern, K\u00f6rperbehaarung und Gewebestrukturen erscheinen mit einer Pr\u00e4zision, die zun\u00e4chst an naturwissenschaftliche Anschauungsmodelle erinnert. Doch Mueck interessiert sich nicht f\u00fcr illusionistische Virtuosit\u00e4t als Selbstzweck. Entscheidend ist vielmehr die psychische Aufladung seiner Figuren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine Skulpturen wirken seltsam entr\u00fcckt. Sie sind dem Leben frappierend \u00e4hnlich, und doch scheinen sie in einem Zustand tiefer Abwesenheit zu verharren. Oft blicken sie ins Leere, schlafen, kauern, warten oder sind in sich versunken. Der Mensch erscheint hier nicht als heroisches Subjekt, sondern als verletzbares Wesen, dessen K\u00f6rper von Erfahrung gezeichnet ist. Gerade die Ma\u00dfstabsverschiebungen \u2013 manche Figuren sind \u00fcberlebensgro\u00df, andere drastisch verkleinert \u2013 verst\u00e4rken diesen Effekt. Sie l\u00f6sen die vertraute Ordnung des Sehens auf und zwingen dazu, K\u00f6rperlichkeit neu zu verhandeln.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Ausstellung in Seoul: konzentrierte Begegnung mit einem Ausnahmek\u00fcnstler<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Schau im Centre Pompidou x Hanwha Seoul versammelt zentrale Arbeiten des K\u00fcnstlers und macht damit eine Position erfahrbar, die in den vergangenen Jahrzehnten die zeitgen\u00f6ssische Skulptur nachhaltig gepr\u00e4gt hat. Muecks Werk ist vergleichsweise schmal, weil jede Figur in einem au\u00dferordentlich aufwendigen Arbeitsprozess entsteht. Gerade deshalb besitzt jede Ausstellung eine besondere Dichte: Es geht weniger um F\u00fclle als um Intensit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Inhaltlich kreist die Pr\u00e4sentation um die gro\u00dfen Konstanten seines Schaffens. Geburt und Tod, Kindheit und Alter, Intimit\u00e4t und Isolation, der ersch\u00f6pfte oder schutzlose K\u00f6rper \u2013 all das sind Themen, die sich durch Muecks \u0152uvre ziehen. Seine Figuren scheinen aus banalen, beinahe privaten Situationen zu stammen, und doch gewinnen sie etwas Existenzielles. Ein schlafender K\u00f6rper wird zur Meditation \u00fcber Wehrlosigkeit, eine Mutterfigur zur Chiffre von F\u00fcrsorge und Ersch\u00f6pfung, eine alte Frau zur stillen Verk\u00f6rperung gelebter Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade diese Konzentration auf unspektakul\u00e4re, oft allt\u00e4gliche Zust\u00e4nde macht Muecks Kunst so stark. Sie sucht nicht das dramatische Narrativ, sondern die Verdichtung des stillen Moments. Seine Menschen sind nicht handelnde Helden, sondern k\u00f6rpergewordene innere Zust\u00e4nde.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kuratorische Inszenierung: N\u00e4he, Distanz und Verlangsamung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Pr\u00e4sentation im <strong>Centre Pompidou x Hanwha Seoul <\/strong>d\u00fcrfte \u2013 dem institutionellen Anspruch des Hauses entsprechend \u2013 nicht auf Effekt, sondern auf r\u00e4umliche Pr\u00e4zision setzen. Muecks Arbeiten ben\u00f6tigen Luft, Distanz und ein sorgf\u00e4ltig austariertes Verh\u00e4ltnis von Ann\u00e4herung und Zur\u00fccktreten. Aus der N\u00e4he beeindrucken Materialit\u00e4t und handwerkliche Meisterschaft; aus der Distanz entfaltet sich die psychologische und skulpturale Wirkung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das kuratorische Konzept solcher Ausstellungen folgt meist einer stillen Dramaturgie: nicht \u00dcberw\u00e4ltigung, sondern Verlangsamung. Die Figuren treten einzeln oder in kleinen Konstellationen auf, wodurch jeder Arbeit eine fast theatralische Pr\u00e4senz zukommt. Der Raum wird zum Resonanzk\u00f6rper des Blicks. Muecks Skulpturen sind keine Objekte, die man beil\u00e4ufig passiert. Sie erzeugen Haltepunkte, Momente des Innehaltens, gelegentlich auch des Unbehagens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade darin liegt eine Qualit\u00e4t, die in einer zunehmend bildges\u00e4ttigten Gegenwart selten geworden ist. Diese Arbeiten verweigern den schnellen Konsum. Sie bestehen auf Dauer, auf k\u00f6rperlicher Ko-Pr\u00e4senz und auf einer Form des Sehens, die sich nicht im fotografischen Wiedererkennen ersch\u00f6pft.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einzelwerke und ihre Bedeutung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Je nach Auswahl der in Seoul gezeigten Arbeiten liegt ein besonderer Reiz der Ausstellung in der M\u00f6glichkeit, ikonische Werke im Original zu erleben. Bei Ron Mueck ist das entscheidend, denn Reproduktionen k\u00f6nnen zwar die Oberfl\u00e4chenwirkung vermitteln, nicht aber die irritierende Kraft der Ma\u00dfst\u00e4blichkeit. Gerade der Wechsel zwischen monumentaler \u00dcberh\u00f6hung und miniaturhafter Reduktion geh\u00f6rt zu den wichtigsten Ausdrucksmitteln des K\u00fcnstlers.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ber\u00fchmte Arbeiten wie <strong>\u201eMask II\u201c<\/strong>, <strong>\u201eWoman with Shopping\u201c<\/strong>, <strong>\u201eA Girl\u201c<\/strong>, <strong>\u201eCouple under an Umbrella\u201c<\/strong> oder <strong>\u201eIn Bed\u201c<\/strong> haben in fr\u00fcheren Pr\u00e4sentationen exemplarisch gezeigt, wie Mueck psychologische Tiefensch\u00e4rfe aus scheinbar schlichten Situationen gewinnt. Eine \u00fcberdimensionierte Maske des eigenen Gesichts wird zur Reflexion \u00fcber Selbstbild und Pr\u00e4senz; eine Frau mit Einkaufst\u00fcten verwandelt das Allt\u00e4gliche in ein stilles Drama sozialer und k\u00f6rperlicher Last; eine riesenhafte Neugeborenenfigur macht den Beginn des Lebens zugleich monumental und beunruhigend. Sollten einzelne dieser Schl\u00fcsselwerke in Seoul vertreten sein, w\u00e4re dies nicht nur aus publikumsgeschichtlicher Sicht bedeutsam, sondern auch kunsthistorisch, weil sich an ihnen Muecks F\u00e4higkeit zur \u00dcbersetzung elementarer Erfahrungen in plastische Form exemplarisch studieren l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einordnung: Ron Mueck in der Gegenwartskunst<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ron Mueck geh\u00f6rt zu jenen K\u00fcnstlern, die sich der lauten Theoriebildung entziehen und gerade dadurch umso nachhaltiger wirken. Sein Werk steht in einem Spannungsverh\u00e4ltnis zur klassischen Bildhauerei, zum Wachsfigurenkabinett, zur Effigie, zum filmischen Special Effect und zur existenziellen Figurenskulptur des 20. Jahrhunderts. Dennoch bleibt es unverwechselbar. Muecks Menschen sind keine Karikaturen und keine medienkritischen Statements im engeren Sinn. Sie sind pr\u00e4zise gebaute Erfahrungsr\u00e4ume.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einer Zeit, in der der menschliche K\u00f6rper digital zirkuliert, algorithmisch bearbeitet und permanent inszeniert wird, wirkt Muecks Beharren auf physischer Pr\u00e4senz fast subversiv. Seine Skulpturen holen den K\u00f6rper aus der Bilderflut zur\u00fcck in die Langsamkeit des realen Raums. Sie erinnern daran, dass K\u00f6rper nicht nur Oberfl\u00e4che, sondern Zeit, Last und Verletzlichkeit sind.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Museum: Centre Pompidou x Hanwha Seoul als neuer Kulturort<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das <strong>Centre Pompidou x Hanwha Seoul<\/strong> ist als institutionelle Kooperation auch kulturpolitisch interessant. Es verbindet den internationalen Namen des Pariser Centre Pompidou mit einem neuen Ausstellungsstandort in Seoul und signalisiert damit die fortschreitende Verschiebung globaler Kunstzentren. Seoul hat sich in den vergangenen Jahren mit bemerkenswerter Konsequenz als bedeutende Metropole des Kunstbetriebs etabliert \u2013 mit Messen, Galerien, privaten Institutionen und einer wachsenden internationalen Sammlerszene.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Museumsort steht das Haus f\u00fcr ein Programm, das Gegenwartskunst in einen transnationalen Dialog stellt. Die Relevanz eines solchen Ortes liegt nicht allein im Import prominenter Namen, sondern in der M\u00f6glichkeit, internationale Positionen in einem neuen kulturellen Kontext zu lesen. Gerade Muecks Werk profitiert davon, weil seine anthropologische Grundierung universell verst\u00e4ndlich ist und dennoch in jeder Gesellschaft andere Resonanzen ausl\u00f6sen kann.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Praktische Informationen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ausstellung <strong>\u201eRon Mueck\u201c<\/strong> findet im <strong>Centre Pompidou x Hanwha Seoul<\/strong> statt. F\u00fcr genaue Angaben zu <strong>Laufzeit, \u00d6ffnungszeiten, Eintrittspreisen, Ticketoptionen, Erm\u00e4\u00dfigungen, F\u00fchrungen, Barrierefreiheit und Anreise<\/strong> empfiehlt sich ein Blick auf die offizielle Ausstellungsseite, da sich diese Informationen \u00e4ndern k\u00f6nnen und dort verbindlich aufgef\u00fchrt sind. In der Regel bieten H\u00e4user dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung Online-Reservierungen, Serviceinformationen f\u00fcr internationale Besucher sowie Hinweise zur Erreichbarkeit mit \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bildnachweis:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Centre Pompidou x Hanwha Seoul<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.centrepompidou-hanwha.kr\/about-us\/architecture\">https:\/\/www.centrepompidou-hanwha.kr\/about-us\/architecture<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quelle:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.centrepompidou-hanwha.kr\/press\/view?seq=1069\">https:\/\/www.centrepompidou-hanwha.kr\/press\/view?seq=1069<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Skulptur hat in der Kunstgeschichte stets ein besonderes Verh\u00e4ltnis zur Wirklichkeit unterhalten. 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