Station: [944] Vor 100 Jahren

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Vor 100 Jahren herrscht Krieg. Schon zwei Jahre tobt das Morden besonders in Frankreich. Unter dem Druck der andauernden Schlachten trifft die alteingesessene Französisch-reformierte Gemeinde in Frankfurt eine Entscheidung. Künftig soll der Gottesdienst auf Deutsch stattfinden. Über 350 Jahre hatten französisch-sprachige Frankfurter ihre Gottesdienste auf Französisch gefeiert. Frankfurt hat durch die Jahrhunderte eine große Bedeutung insbesondere für die Glaubensflüchtlinge aus Frankreich, die Hugenotten. Glaubensflüchtlinge aus dem heutigen Belgien gründeten 1554 eine französisch-sprachige Gemeinde in der Stadt. Auf einer Tonband-Aufnahme aus dem Jahre 1972 ist beschrieben, wie das französische Gemeindeleben vor hundert Jahren ausgesehen hat. Es ist die Erzählung der Tochter des damaligen Pfarrers. Lulu Neugebauer geborene Correvon erzählt aus ihrer Kindheit und Jugend. Neben französischen Gesangbüchern aus Frankfurt sind Gegenstände zu sehen, die ein Licht auf die Art und Weise werfen, wie vor 100 Jahren das Reformations-Jubiläum gefeiert wurde. Die Sonderprägung zum Reformationsgedenken 1917 im Königreich Sachsen zeigt einmal mehr den Kurfürsten aus Luthers Zeiten. Von hundert Sonderprägungen in Silber sind 50 sofort für Kriegszwecke wieder eingeschmolzen worden. Eine Bibel aus dem 20. Jahrhundert spiegelt das Bild von Martin Luther, das man sich vor hundert Jahren von ihm gemacht hat: der Künstler Rudolf Schäfer zieht Martin Luther eine Rüstung an, ein Schwert an der Seite vor einer Burg. Die Fahne zeigt das Wappen der Luther-Rose. Ein kämpferisches Bild, das zum Militarismus vor 100 Jahren passt. Das Eigentliche steht im Bibeltext und ist im Hintergrund zu sehen: "durch die Liebe diene einer dem anderen" (Galater 5,13). Man sieht am Fuß der Burg zwei Gestalten: einer sitzt auf einem Esel, der andere stützt ihn. Das Symbol der Nächstenliebe ist der Barmherzige Samariter, der hier als Kontrast zum kämpferischen Luther durch das Bild zieht.