Station: [10] Schweizer Hausorgel Inv.Nr. 1109

  • Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen

Hörbeispiel: Canzonetta; eingespielt von Gottfried Sembdner - Titel Nr. 4 der CD "Musik aus dem Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen" (Einspielung historischer Instrumente), welche Sie für 15,00 € im Tourismusbüro (Museumskasse) im Gerber-Hans-Haus erhalten


Die Schweizer Hausorgel wurde 1838 von Georg Hammer (1782-1869) in Schiers/Kanton Graubünden/Schweiz gebaut.

Tonumfang: c-f 5

54 Tasten, 3 Register: Prinzipal, 2’ 4’ 8’ gedackt

Blasebalg: einfältiger Schöpfbalg, darüber einfältiger Magazinbalg aus mehreren Windkanälen, einem Pfeifenstock und einer Windkamme. Schöpfer wird durch Treten des Spielers mit dem rechten Fuß in Bewegung gesetz, Pendel an der linken Seite der Orgel zeigt das Luftvolumen an.

Regierwerk: 1 Manual

31 schwarze Tasten (122x20 mm)

22 weiße Tasten (82 x 10 mm)

Beim Drücken einer Taste öffnet sich die dazugehörige Pfeifenkanzelle durch den Stecher, beim Loslassen der Taste erfolgt mechanisches Schließen durch eine Feder. Die Register sind durchgehend, horizontal beweglich und über einen Zwischenhebel mit dem Schleifer gekoppelt.

 

Pfeifenwerk: insgesamt 3 x 54 = 162 Labialpfeifen, davon 89 Metall- und 73 Holzpfeifen. Der Zustand der Pfeifen ist gut, die meisten sind original. Die Metallpfeifen weisen verhältnismäßig viel Kernstiche auf.

6 gedackte Holzpfeifen befinden sich an beiden Rückseiten außerhalb des Gehäuses.

Gehäuse: grüngestrichener, z.T. grün-marmorierter Schrank mit Blumenranken und –sträußen, Prospekt durch zwei Flügeltüren verschließbar, die innen grobkörnig bemalt und bechrieben sind.

Linke Flügeltür beschriftet

oben: Lobet den Herrn mit Orgelthon, Ehret den Vatter und preißet den Sohn

unten: Georg Hammer Orgelnmacher von Schiers 1838

Mahler David Hilti in Werdenberg

in der Mitte: Bild König Davids mit Harfe

rechte Flügeltür, oben: Singet und preiset den göttlichen Geist Der freundlich den Weg zum Vatter uns weist

unten: Lobe den Herren meine Seele und Was in mir ist seinen heiligen Namen

in der Mitte: Bild eines Engels weiblichen Geschlechts mit Trompete und langstieligem Blatt

In der Mitte des dreiteiligen Prospektes:

Blumenvase mit einrahmender Schrift:

Blumen sind der Auge weid, Gottes Wort der Seelen Kleid

 

Diese Hausorgel kam 1903 auf Veranlassung des Markneukirchner Bürgermeisters Zschucke ins Museum. Restauriert wurde sie 1906 von August Schubert im böhmischen Roßbach und 1992 von Regina Stegemann aus Norden.

Auf eine Anfrage des Museumsleiters Franz Hellriegel 1906 an den Magistrat von Schiers über die Lebensgeschichte Georg Hammers wurde folgende  Antwort erteilt:

„Als Knabe besuchte Hammer erfolglos die Volksschule: er brachte es niemals zum Lesen und Schreiben. Schliesslich blieb er der Schule überhaupt fern, und da man ihn als Idiot betrachtete, liess man ihn gewähren. So ging er dann in seinen Mussestundenden entlegenen Bächlein nach und setzte dort allerlei mechanische Spielwerke in Tätigkeit. Später erlernte er das Zimmermannshandwerk und betrieb es auch. Nebenbei verfertigte er Blasebälge und Uhren, die in allen Teilen aus Holz bestanden. Schliesslich verlegte er sich sogar auf den Orgelbau. Im Prätigau, im Schanfigg, auf Davos und im Engadin fanden sich an verschiedenen Orten von Hammer erbaute Orgeln. Die Glanzleistung dieses Autodidakten dürfte wohl die bis zur Kirchenrenovation 1928 in Schiers befindliche Orgel gewesen sein, die heute in einem Privathaus in Davos steht."