7. Dezember 1835, Nürnberg – Fürth: Unter großem Beifall macht sich der Adler, die erste Dampflokomotive in Deutschland, bereit zur Abfahrt. Am Nürnberger Ludwigsbahnhof ertönt ein Kanonenschuss und die neue Technik kommt ins Rollen. Die Ära der pferdebespannten Mobilität scheint damit in naher Zukunft beendet zu sein. Oder doch nicht?!? Die Sonderausstellung „Großstadtpferde – Tierischer Motor der Städte um 1900“ im Deutschen Pferdemuseum nimmt die Museumsgäste mit ins städtische Leben zu Zeiten der Industrialisierung und zeigt auf, welche bedeutende Rolle das Pferd trotz wachsender Motorisierung noch einnahm. Die Industrialisierung kam in Fahrt. Überall in den Städten entstanden Gewerbebetriebe, Manufakturen und große Fabriken. Die Vielfalt der produzierten Waren reichte vom einfachen Haushaltsgerät bis zu tonnenschweren Maschinen – von Produkten für den Tante-Emma-Laden bis zur Glocke des Big Ben oder dem Anker der Titanic. Alle Erzeugnisse mussten an die Frau oder den Mann gebracht werden. Die sich neu entwickelnden Transport- und Logistiksysteme, d.h. die schienengebundene Mobilität der Eisenbahn, wie auch die Verbrennungs- und Elektromotoren in Kraftfahrzeugen, waren darauf zunächst nicht ausgelegt. Die Eisenbahn verband in rasch zunehmendem Maße lediglich die Langstrecke, aber nicht die Fläche. Der „Lastwagen“ war teuer und in den Anfängen zu wenig leistungsstark. Zuladungen von mehreren Tonnen, die bei Industrieprodukten die Regel waren, konnten mit den ersten motorisierten „Pferdestärken“ nicht befördert werden. Hier waren weiterhin die starken Pferde gefordert – und dies in explodierenden Dimensionen. Millionen von ihnen arbeiteten um 1900 in urbanen Räumen. Und mehrstöckige Stallungen für viele hundert Pferde inmitten der Städte waren keine Seltenheit. Neben der Industrie und dem Gütertransport waren Pferde auch in vielen anderen Lebensbereichen der Städte präsent. Polizei, Feuerwehr und Rettungswesen bauten auf die tierischen Pferdestärken. Gleiches galt für den Personennahverkehr mit Pferdeomnibussen, -straßenbahnen oder unzähligen Pferde-Taxen. Pferde bildeten zudem den Motor der Kommunikation, denn der verlässliche Einsatz von Post-Pferden machte mehrmals täglich die Zustellung von Briefen und Paketen in der Stadt möglich. Es herrschte mächtig Betrieb auf den Straßen der Großstädte zu dieser Zeit… Doch wie funktionierte das Zusammenleben von Mensch und Pferd im dichtbesiedelten städtischen Raum? Gab es Verkehrsregeln? Und wie stand es um den Tierschutz? Auch diesen Fragen wird in der Ausstellung nachgegangen. Die Sonderausstellung Großstadtpferde – Tierischer Motor um 1900“ ist vom 21. Juni bis 31. Oktober 2022 Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr im Deutschen Pferdemuseum in Verden zu sehen.
31. Jul 2022 - 10:00
Holzmarkt 9
Verden (Aller)
27283
Germany

Current event for "Deutsches Pferdemuseum"

Sonderausstellung "Großstadtpferde - Tierischer Motor der Städte um 1900"

31. Jul 2022 - 10:00 – 31. Oct 2022 - 10:00
Deutsches Pferdemuseum

7. Dezember 1835, Nürnberg – Fürth: Unter großem Beifall macht sich der Adler, die erste Dampflokomotive in Deutschland, bereit zur Abfahrt. Am Nürnberger Ludwigsbahnhof ertönt ein Kanonenschuss und die neue Technik kommt ins Rollen. Die Ära der pferdebespannten Mobilität scheint damit in naher Zukunft beendet zu sein. Oder doch nicht?!?

Die Sonderausstellung „Großstadtpferde – Tierischer Motor der Städte um 1900“ im Deutschen Pferdemuseum nimmt die Museumsgäste mit ins städtische Leben zu Zeiten der Industrialisierung und zeigt auf, welche bedeutende Rolle das Pferd trotz wachsender Motorisierung noch einnahm.

Die Industrialisierung kam in Fahrt. Überall in den Städten entstanden Gewerbebetriebe, Manufakturen und große Fabriken. Die Vielfalt der produzierten Waren reichte vom einfachen Haushaltsgerät bis zu tonnenschweren Maschinen – von Produkten für den Tante-Emma-Laden bis zur Glocke des Big Ben oder dem Anker der Titanic. Alle Erzeugnisse mussten an die Frau oder den Mann gebracht werden. Die sich neu entwickelnden Transport- und Logistiksysteme, d.h. die schienengebundene Mobilität der Eisenbahn, wie auch die Verbrennungs- und Elektromotoren in Kraftfahrzeugen, waren darauf zunächst nicht ausgelegt. Die Eisenbahn verband in rasch zunehmendem Maße lediglich die Langstrecke, aber nicht die Fläche. Der „Lastwagen“ war teuer und in den Anfängen zu wenig leistungsstark. Zuladungen von mehreren Tonnen, die bei Industrieprodukten die Regel waren, konnten mit den ersten motorisierten „Pferdestärken“ nicht befördert werden. Hier waren weiterhin die starken Pferde gefordert – und dies in explodierenden Dimensionen. Millionen von ihnen arbeiteten um 1900 in urbanen Räumen. Und mehrstöckige Stallungen für viele hundert Pferde inmitten der Städte waren keine Seltenheit.

Neben der Industrie und dem Gütertransport waren Pferde auch in vielen anderen Lebensbereichen der Städte präsent. Polizei, Feuerwehr und Rettungswesen bauten auf die tierischen Pferdestärken. Gleiches galt für den Personennahverkehr mit Pferdeomnibussen, -straßenbahnen oder unzähligen Pferde-Taxen. Pferde bildeten zudem den Motor der Kommunikation, denn der verlässliche Einsatz von Post-Pferden machte mehrmals täglich die Zustellung von Briefen und Paketen in der Stadt möglich. Es herrschte mächtig Betrieb auf den Straßen der Großstädte zu dieser Zeit… Doch wie funktionierte das Zusammenleben von Mensch und Pferd im dichtbesiedelten städtischen Raum? Gab es Verkehrsregeln? Und wie stand es um den Tierschutz? Auch diesen Fragen wird in der Ausstellung nachgegangen.

Die Sonderausstellung Großstadtpferde – Tierischer Motor um 1900“ ist vom 21. Juni bis 31. Oktober 2022 Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr im Deutschen Pferdemuseum in Verden zu sehen.

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