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So wurden Stavenhagens älteste Stadtbücher gerettet

29. May 2019
Fritz-Reuter-Literaturmuseum

Cornelia Hanke, eine renommierte Buchrestauratorin aus Berlin, hat für Stavenhagen zwei alte Stadt- und Hypothekenbücher restauriert und ihre Arbeit am Internationalen Museumstag im Fritz-Reuter-Literaturmuseum vorgestellt.

Als Cornelia Hanke die ältesten Stadtbücher Stavenhagens übergeben bekam, war der Einband gerissen, waren Seiten lose, die Deckel mit Tesafilm angeklebt. „Mehere Generationen Tesafilm“, sagte die Diplom-Restauratorin. Eine Sicherungsmethode, mit der tatsächlich alles zusammengeblieben sei. Aber Klebstoffe altern, vergilben, verhärten. Im vergangenen Jahr hatte die Berlinerin vom Reutermuseum den Auftrag erhalten, zwei der insgesamt fünf historischen Bücher zu reparieren, also wieder gebrauchsfertig zu machen. Nun sind sie zurück in Stavenhagen. Und Cornelia Hanke traf auf interessierte Besucher, die wissen wollten, wie sie die Stadbücher restauriert hat. Diese sind die Vorläufer der heutigen Grundbücher und wurden 1774 angelegt und bis 1845 genutzt.

Wie es typisch für das 18. Jahrhundert war, seien die Bücher in Pergament eingebunden, einem edlen Material. Das handgeschöpfte Büttenpapier der Blätter sei teils ausgeblichen gewesen, Staub und Schmutz habe sich abgelagert. Zudem seien die Heftfäden zerstört gewesen. Cornelia Hanke hat die Seiten geglättet und die Kanten mit Japan-Papier beklebt, um die Blätter zu verstärken. Sie hat radiert, geschabt, getrennt, glänzende Schichten von Tesa-Rückständen herunter genommen. Die handgestochenen Kapitale, also die Bünde am oberen und unteren Ende des Buchblockes, habe sie im Original erhalten können. Schließlich gehe es um Erhalten und Stabilisieren, nicht ums Erneuern. Alles vorhandene werde gerettet, nichts neu hergestellt. „Restaurierung heißt Bestandserhaltung“, erklärte Cornelia Hanke. Deshalb sei nichts rekonstruiert worden.

Im November habe sie die etwa 600 Seiten dicken Stadtbücher übernommen und sei Anfang Februar mit der Restaurierung fertig gewesen. Pro Buch habe sie etwa nur 40 Stunden gebraucht. Doch wegen der langen Trockenzeiten des Kleisters seien drei Monate daraus geworden. Zurückgebracht hat sie die Bücher in einer Schutzverpackung, in der sie nun aufbewahrt werden und vor klimatischen Schwankungen und sogar vor Feuer geschützt sind.

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