In Berlin-Südwest bildet die Domäne Dahlem das historisch gewachsene Rittergut des einstigen Dorfes Dahlem und fungiert heute als Freilandmuseum für Agrar- und Ernährungskultur mit ökologischem Schwerpunkt. Auf dem Gelände wurde über 800 Jahre hinweg Landwirtschaft betrieben; die historische Kontinuität prägt die Anlage bis in die Gegenwart.
Auf dem Hof stehen mehrere denkmalwerte Gebäude aus verschiedenen Epochen: Das Herrenhaus von 1560 mit vollständig erhaltenen Wohnräumen, ein Pferdestall aus 1830, eine Stellmacherei aus dem frühen 19. Jahrhundert sowie Brunnen und ein Eiskeller von 1709. Über dem Haupteingang ist ein Allianzwappen angebracht. Nach wechselnder Nutzung durch Angehörige adeliger Familien wurde das Dorf 1841 an den preußischen Domänenfiskus verkauft und als Staatsdomäne weitergeführt.
Ab der Wende zum 20. Jahrhundert wurden Teile der weitläufigen Felder systematisch zu Bauland und für wissenschaftliche Einrichtungen umgewidmet; der Botanische Garten wurde in dieser Zeit verlegt, und für Institute sowie Archive entstanden neue Standorte in der Umgebung. Kriegs- und Nachkriegsereignisse veränderten die Planungen: Die Ansiedlung eines größeren Wissenschaftszentrums begann erst Jahrzehnte später mit der Gründung der Freien Universität und weiteren Forschungseinrichtungen sowie Museen in Dahlem.
Trotz zunehmender Parzellierung blieb ein landwirtschaftlicher Betrieb erhalten; das heutige Museumsensemble liegt an der Königin-Luise-Straße 49. Nach dem Zweiten Weltkrieg bewahrte eine Bürgerinitiative das Gelände und initiierte die Entwicklung zu einem volkskundlich geprägten Freilichtmuseum. Trägerschaften wechselten, seit 2009 führt eine eigenständige Stiftung die Domäne Dahlem als Museum.
Die Ausstellungstätigkeit umfasst Ausstellungen zu Landwirtschaft und Ernährung. Im Herrenhaus sind historische Laden- und Metzgereieinrichtungen aus den 1920er Jahren sowie ein Labor zum Thema Verbraucherschutz zu sehen. 2015 wurde das Culinarium eröffnet; unter dem Motto „Vom Acker bis zum Teller“ präsentiert es auf mehreren Ebenen Exponate, Medien und Mitmachstationen zur Esskultur seit 1850, mit einem speziell für Kinder gestalteten Dachgeschoss. Das Landgut ist als Bioland-Betrieb anerkannt und verfügt als einziger Bauernhof Deutschlands über einen direkten U-Bahn-Anschluss (Dahlem-Dorf, Linie U3).