Vortrag: Prof. Dr. Heinrich Assel, Greifswald Moderation: PD Dr. Anke Silomon, Berlin Zur Zeit der Machtübernahme der Nationalsozialisten war die theologische Diskussion um Luther durch drei Denkschulen (Dialektische Theologie, Konfessionalismus, Lutherrenaissance) und zwei Reformprogramme geprägt: das Aufkommen neuer evangelischer Lehren vom Staat als autoritär-faschistischer Staat oder als nationalsozialistische Parteidiktatur und die Bildung einer Deutschen Evangelischen Kirche als Bund selbständiger Volkskirchen kraft eigener Rechtsautonomie und charismatischer Autorität. In Wechselwirkung mit dem sich etablierenden NS-Unrechtsstaat und seiner Gleichschaltung der Kirchen führte dies 1933/34 zu drei fundamentalen Kontroversen, die in unvereinbare Positionen mündeten: Führerstaat oder Verfassungsstaat in der lutherischen politischen Ethik? Volk und Rasse als Schöpfungsordnung oder Herrschaft des „natürlichen Rechts” in der lutherischen Rechtsethik? Führerkirche oder volkskirchliche Bekenntniskirche im lutherischen Verständnis von Kirche? In seinem Vortrag analysiert Heinrich Assel die Grundzüge dieser Kontroversen, in denen sich die Denkschulen der Lutherforschung neu gruppierten. Er zeigt auch, dass es nach 1938 jüngere Theologen gab, die eine substantielle Revision der politischen Theologie und Rechtsethik vorbereiteten. Sie wurde nach 1945 wirksam.
18. Jul 2017
Niederkirchnerstraße 8
Berlin
10963
Deutschland

Aktueller Termin von "Topographie des Terrors"

Vortrag: „Theologische Diskussion um Luther im NS-Staat”

Topographie des Terrors 18. Jul 2017 – 18. Jul 2017

Vortrag: Prof. Dr. Heinrich Assel, Greifswald
Moderation: PD Dr. Anke Silomon, Berlin

Zur Zeit der Machtübernahme der Nationalsozialisten war die theologische Diskussion um Luther durch drei Denkschulen (Dialektische Theologie, Konfessionalismus, Lutherrenaissance) und zwei Reformprogramme geprägt: das Aufkommen neuer evangelischer Lehren vom Staat als autoritär-faschistischer Staat oder als nationalsozialistische Parteidiktatur und die Bildung einer Deutschen Evangelischen Kirche als Bund selbständiger Volkskirchen kraft eigener Rechtsautonomie und charismatischer Autorität. In Wechselwirkung mit dem sich etablierenden NS-Unrechtsstaat und seiner Gleichschaltung der Kirchen führte dies 1933/34 zu drei fundamentalen Kontroversen, die in unvereinbare Positionen mündeten: Führerstaat oder Verfassungsstaat in der lutherischen politischen Ethik? Volk und Rasse als Schöpfungsordnung oder Herrschaft des „natürlichen Rechts” in der lutherischen Rechtsethik? Führerkirche oder volkskirchliche Bekenntniskirche im lutherischen Verständnis von Kirche?
In seinem Vortrag analysiert Heinrich Assel die Grundzüge dieser Kontroversen, in denen sich die Denkschulen der Lutherforschung neu gruppierten. Er zeigt auch, dass es nach 1938 jüngere Theologen gab, die eine substantielle Revision der politischen Theologie und Rechtsethik vorbereiteten. Sie wurde nach 1945 wirksam.