Im Augsburger Textilviertel bewahrt und vermittelt das Staatliche Textil- und Industriemuseum (tim) die textile und industrielle Entwicklung der Region. Die Ausstellungsbereiche liegen in einer Produktionshalle der ehemaligen Augsburger Kammgarn-Spinnerei; das Museum wurde 2010 von der Stadt Augsburg und dem Bezirk Schwaben eingerichtet und wird vom Freistaat Bayern betrieben.
Seine Entstehung geht auf bürgerschaftliches Engagement zurück: 1996 gründete sich der Verein zur Förderung eines Industriemuseums in Augsburg, der wichtige Maschinen sicherte. Ebenfalls 1996 gelang die Sicherung der Musterbücher der Neuen Augsburger Kattunfabrik, die damit als deutsches Kulturgut erhalten blieben. Nach einer Grundsatzvereinbarung zwischen Land, Stadt und Bezirk erfolgte der Erwerb von Gebäudeteilen der ehemaligen Kammgarn-Spinnerei und ein umfassender Umbau der Produktionshalle zwischen 2007 und 2010. Stadt, Land und Bezirk beteiligten sich an den Investitionskosten. Das Haus wurde Anfang 2010 im Rahmen eines staatlichen Empfangs eröffnet.
Das tim erklärt historische Zusammenhänge und technische Abläufe der Textilherstellung. Die Dauerausstellung fokussiert auf Spinnen, Weben und Bedrucken in Bayern, in Schwaben und in der alten Reichsstadt Augsburg und spannt den Bogen vom aufstrebenden Weberhandwerk des 16. Jahrhunderts über Manufakturen und Fabriken bis zur Krise des 20. Jahrhunderts. Auf rund 2.500 Quadratmetern folgt das Konzept den Leitpunkten Mensch, Maschine, Muster und Mode. Zu den Exponaten zählen eine nachgebaute Museumsfabrik mit Webstühlen und modernen Produktionsmaschinen sowie ein vergrößerter Stadtplan von 1874, der historische Standorte sichtbar macht.
Museales Herzstück ist das Stoffmusterarchiv der Neuen Augsburger Kattunfabrik: mehr als 550 Musterbücher mit über 1,3 Millionen Entwürfen, deren lichtempfindliche Seiten als begehbare Präsentation gezeigt und digitalisiert projiziert werden. Ein Laufsteg zeigt Textilien vom Biedermeier bis zur Gegenwart; zugleich werden Zukunftsthemen wie neue Materialien in der Mode behandelt. Neben der Dauerausstellung gibt es wechselnde Sonderausstellungen, wissenschaftliche Arbeit und Vermittlungsangebote für alle Altersgruppen. Kinder finden einen interaktiven Museumpfad zum Ausprobieren von Grundtechniken; für Schulklassen sowie Erwachsene werden altersgerechte Führungen, Vorträge, Workshops und Themenabende angeboten.
Kritisch wurde angemerkt, der Beitrag jüdischer Unternehmer zur Textilwirtschaft bis zur Zeit des Nationalsozialismus sei nicht ausreichend gewürdigt worden; die zuständige Abteilung informiert jedoch über Arisierungen und die Rolle betroffener Firmen, wobei Materialbeschaffung vor der Eröffnung begrenzt war.