Cover des Magazin Museum.de Nr.54

Magazin Museum.de Nr. 54, Sommer 2026

Editorial

Die KI ist wohl das Thema in der Museumswelt für 2026. Verschiedene Veranstaltungen und auch die MUTEC im Herbst in Leipzig beschäftigen sich damit, welche KI-Anwendungen in Museen wirklich sinnvoll sind. Während Chatbots in vielen Häusern längst angekommen sein dürften, rücken nun z.B. Sammlungsmanagement, Forschung, Bildanalyse und Vermittlung stärker in den Fokus.

Etwas, das viele zunächst kritisch betrachten, bekommt gerade einen spielerischen Hype. Das ist gut so. Neue Technik muss man ausprobieren dürfen, bevor man sie in Grundsatzdebatten zerlegt. KI berührt fast alle Bereiche unseres Lebens. Die entscheidende Frage bleibt: Wo findet der Mensch darin seinen Platz?

Begriffe wie Prompt-Engineer machen die Runde. Gemeint sind Menschen, die KI als Werkzeug verstehen und die Aufgaben für die KI zielgerichtet formulieren. Gerade für kleine Museumsteams ist das eine echte Bereicherung. Dinge, die früher aus Zeit- oder Kostengründen liegen geblieben sind, werden plötzlich machbar.

Natürlich hat das Folgen. Manche Tätigkeiten werden einfacher, andere verändern sich stark. Technischer Fortschritt war nie nur bequem. Menschen mussten sich immer wieder anpassen. Aber nicht jeder kann sich mal eben neu erfinden. Der Bergarbeiter aus dem Ruhrgebiet, der mit 50 nicht einfach Programmierer wird, bleibt dafür ein sehr reales Bild.

Ein gutes Beispiel ist der Audioguide von museum.de. Früher wurde er in vielen manuellen Schritten produziert – vergleichbar zu einer Drucksache. War der Text eingesprochen, wurden spätere Änderungen schnell aufwendig: Redaktion, Tonstudio, Sprecher, Schnitt.

Heute können Änderungen im passwortgeschützten Datenpflegebereich in wenigen Minuten erledigt werden, wenn z.B. eine Jahresangabe falsch ist. Ein Satz wird angepasst, eine ultrarealistische synthetische Stimme spricht ihn neu ein, kurz darauf ist die Fassung für die Gäste verfügbar. Das bedeutet enorme Flexibilität und deutlich geringere Kosten. Um das testen zu können, haben wir im Datenpflegebereich von museum.de das sog. AudioLab integriert.
Hier kann man die KI-gestützte Erstellung des Audioskripts und die Vertonung durch ultrarealistische synthetische Stimmen der dritten Generation kostenlos testen.

KI ist am Ende nur ein Werkzeug. Sie kann Arbeit erleichtern, Wissen zugänglicher machen und neue Ideen möglich machen. Entscheidend ist, dass wir bestimmen, wofür wir sie einsetzen.

Museen leben von der Begegnung mit echten Objekten. Von diesem besonderen Moment, wenn man vor einem Original steht und spürt: Das ist wirklich da.
Genau deshalb soll KI den Besuch nicht ins Wohnzimmer verlagern, sondern Menschen ins Museum bringen. Sie kann neugierig machen, Barrieren senken, Geschichten öffnen – und den Besuch vor Ort lebendiger machen.

Herzliche Grüße
Ihr Uwe Strauch

Aus dem Inhalt:

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