
Ein neues Kapitel für die Fotografie: Das Nederlands Fotomuseum im Santos-Warenhaus in Rotterdam
Die Fotografie, seit ihrer Erfindung im 19. Jahrhundert ein Spiegel und zugleich ein Schöpfer der Wirklichkeit, besitzt in den Niederlanden seit jeher einen besonderen Stellenwert. Mit dem Umzug des Nederlands Fotomuseum in das historische Santos-Warenhaus im Rotterdamer Stadtteil Rijnhaven wird diese Kunstform nicht nur räumlich neu verortet, sondern auch symbolisch erweitert. Die Eröffnung markiert einen Wendepunkt für das Museum, das sich seit seiner Gründung der Bewahrung, Erforschung und Präsentation fotografischer Kunst widmet.
Eine Ausstellung, die Vergangenheit und Zukunft vereint
Das Museum wird ein modernes Zuhause für die nationale Sammlung von über 6,5 Millionen Objekten, eine der größten Museumsfotografie-Sammlungen der Welt, sowie Raum für Ausstellungen und eine breite Palette von öffentlichen Aktivitäten bieten. Der Standort im Lager von Santos markiert eine neue Phase für das Museum und wurde durch eine großzügige Spende der Droom en Daad Stiftung ermöglicht.
Die neue Dauerausstellung, die anlässlich der Wiedereröffnung konzipiert wurde, trägt den Titel „Die Kraft der Fotografie“ und widmet sich der erstaunlichen Bandbreite und den Möglichkeiten dieses Mediums. Thematisch reicht die Schau von den frühen Anfängen der Fotografie über dokumentarische Ansätze bis hin zu zeitgenössischen experimentellen Formen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Frage, wie Fotografie als kulturelles Dokument und künstlerisches Ausdrucksmittel zugleich fungiert.
Zu den ausgestellten Werken gehören ikonische Fotografien aus der niederländischen und internationalen Geschichte der Fotografie. Vertreten sind unter anderem Arbeiten von Ed van der Elsken, dessen lebendige Straßenszenen einen unvergleichlichen Blick auf die Gesellschaft seiner Zeit werfen, sowie das Werk von Charlotte Dumas, die mit ihren Porträts von Tieren und Menschen eine eindringliche Emotionalität schafft. Auch zeitgenössische Positionen, die sich mit den digitalen Transformationen des Mediums auseinandersetzen, finden in der Ausstellung ihren Platz.
Ein kuratorisches Konzept, das auf Dialog setzt
Die Ausstellung folgt einem klar strukturierten Konzept, das den Besuchern eine Reise durch die Geschichte und die Potenziale der Fotografie ermöglicht. In thematischen Sektionen werden die einzelnen Aspekte des Mediums beleuchtet: von seiner technischen Entwicklung über seine soziale und politische Bedeutung bis hin zu seinen künstlerischen Ausdrucksformen. Interaktive Stationen und multimediale Installationen laden dazu ein, die Fotografie nicht nur zu betrachten, sondern auch aktiv zu erleben.
Die Inszenierung nutzt das industrielle Ambiente des Santos-Warenhauses auf meisterhafte Weise. Das denkmalgeschützte Gebäude, einst ein wichtiger Umschlagplatz für Kaffee, verbindet seine rauen, historischen Strukturen mit einer modernen, klaren Ausstellungsarchitektur. Diese Symbiose aus Alt und Neu spiegelt den Anspruch des Museums wider, Tradition und Innovation zusammenzuführen.
Besondere Exponate und Leihgaben
Eine Gruppe von Experten wählte 99 ikonische Fotografien aus, die auf ihrer künstlerischen und sozialen Wirkung basieren, darunter Arbeiten von Anton Corbijn, Dana Lixenberg, Violette Cornelius, Ed van der Elsken, Paul Huf, Rineke Dijkstra und Erwin Olaf.
Ein Highlight der Ausstellung ist eine selten gezeigte Serie von Ed van der Elsken, die aus umfangreichen Restaurierungsarbeiten hervorgegangen ist. Diese Leihgabe verdeutlicht nicht nur die Bedeutung der Erhaltung fotografischer Werke, sondern auch die Rolle des Nederlands Fotomuseum als zentrale Institution für die Konservierung von Fotografie in den Niederlanden. Ergänzt wird die Schau durch Werke internationaler Leihgeber, darunter Arbeiten aus dem Victoria and Albert Museum in London, die den globalen Dialog der Fotografie unterstreichen.
Bedeutung für die Gegenwart und das Werk des Museums
Die Eröffnung des neuen Museumsstandortes ist mehr als eine räumliche Veränderung. Sie ist eine programmatische Neuausrichtung, die das Nederlands Fotomuseum als Ort des Diskurses und der Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Themen positioniert. In einer Zeit, in der digitale Bilderfluten unseren Alltag bestimmen, bietet die Ausstellung eine Gelegenheit, innezuhalten und über die Macht und Verantwortung der Fotografie nachzudenken.
Ein architektonisches Juwel mit kultureller Relevanz
Das Santos-Warenhaus, ein beeindruckendes Beispiel für die Industriearchitektur des frühen 20. Jahrhunderts, bildet den idealen Rahmen für die neue Heimat des Museums. Seine Backsteinfassade und die großzügigen Innenräume schaffen einen einzigartigen Kontrast zwischen historischer Schwere und der Leichtigkeit moderner Kunstpräsentation. Mit seiner zentralen Lage in Rotterdam, einer Stadt, die sich als kulturelles Zentrum der Niederlande etabliert hat, ist das Museum sowohl für Einheimische als auch für internationale Besucher leicht erreichbar.
Praktische Informationen
Die Ausstellung „Die Kraft der Fotografie“ ist ab 7.02.2026 zu sehen. Das Nederlands Fotomuseum befindet sich im Santos-Warenhaus, gelegen im aufstrebenden Viertel Kop van Zuid. Geöffnet ist das Museum täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr. Der Eintritt beträgt 17,50€, ermäßigte Tickets sind verfügbar. Das Museum ist barrierefrei zugänglich und verfügt über ein Café sowie einen Museumsshop.
Fazit
Mit dem Umzug ins Santos-Warenhaus schlägt das Nederlands Fotomuseum ein neues Kapitel auf, das der Fotografie nicht nur einen physischen, sondern auch einen symbolischen Raum gibt. Die Ausstellung beeindruckt durch ihre thematische Tiefe und die gelungene Inszenierung im Dialog mit der Architektur. Sie lädt dazu ein, die Fotografie als Medium in all ihren Facetten zu erleben und zu hinterfragen. Das Museum erweist sich damit als unverzichtbare Institution für die Auseinandersetzung mit einem der prägendsten Medien unserer Zeit.
Weitere Informationen zur Ausstellung und zum Museum finden sich unter Ausstellungslink.
Fotonachweis:
Nederlands Fotomuseum, vide – atrium (liggend – landscape) © Iwan Baan



