Félix Vallotton – Eine Nation feiert ihren Meister des Holzschnitts und der Moderne

Das Jahr 2025 markiert den hundertsten Todestag von Félix Vallotton, einer Schlüsselfigur der europäischen Kunst um die Wende zum 20. Jahrhundert. Als Maler, Grafiker, Illustrator und Schriftsteller prägte Vallotton die Kunst seiner Zeit mit einer unverkennbaren Handschrift, die zwischen schneidender Präzision und sinnlicher Zurückhaltung changiert. Die Schweiz, sein Geburtsland, widmet dem Künstler eine umfassende Hommage, in der Museen und Kulturinstitutionen von Vevey bis Lausanne, von Winterthur bis Ascona seine Bedeutung für die Kunstgeschichte und ihre aktuelle Rezeption feiern.

Von der Moderne inspiriert, die Gegenwart geprägt

Vallottons Werk spiegelt die Spannungen und Brüche der Moderne wider, sei es in seinen bestechenden Holzschnitten, die mit radikaler Reduktion und suggestiver Dramatik neue Maßstäbe setzten, oder in seinen Gemälden, die eine subtile, oft psychologisch aufgeladene Erzählweise kultivieren. Themen wie die fragmentierte Wahrnehmung der Wirklichkeit oder die Rolle des Individuums in einer sich wandelnden Gesellschaft erhalten in seiner Kunst eine zeitlose Aktualität. Dies macht ihn zu einem Künstler, der über die Grenzen seiner Epoche hinausweist.

Die Ausstellungen und ihre Themenschwerpunkte

Das Schweizer Vallotton-Jahr bietet eine Fülle an Ausstellungen, deren kuratorische Konzepte sowohl retrospektiv als auch dialogisch angelegt sind. Das Musée Jenisch Vevey eröffnet den Reigen mit einer Schau, die Vallottons Werke aus ihren eigenen Beständen sowie bedeutende Leihgaben in einen Dialog mit zeitgenössischen Künstlern tritt. Diese Gegenüberstellung beleuchtet die nachhaltige Wirkung seines Schaffens auf die heutige Kunst.

Das Kunst Museum Winterthur, ein Ort, der Vallotton bereits zu Lebzeiten förderte, zeigt eine umfassende Retrospektive mit über 150 Werken. Die Ausstellung „Illusions perdues“ ergründet die Vielschichtigkeit seines Schaffens und dokumentiert die Entwicklung vom meisterhaften Holzschnitt-Künstler zum subtilen Maler.

In Ascona widmet sich eine Ausstellung den Landschaften, Stillleben und Aktdarstellungen Vallottons, wobei selten gezeigte Werke aus einer privaten Sammlung zu bewundern sind. Diese Schau hebt das Verhältnis des Künstlers zur Schönheit und zur Natur hervor.

Den Höhepunkt bildet die Retrospektive „Vallotton Forever“ im Musée cantonal des Beaux-Arts Lausanne. Mit über 200 Werken wird hier Vallottons künstlerischer Werdegang von den frühen Illustrationen bis zu den späten Malereien umfassend dokumentiert. Parallel dazu bietet eine kleinere Ausstellung Einblicke in seine Arbeitsmethoden und Techniken.

Kuratorische Ansätze und besondere Leihgaben

Die Konzeption der Ausstellungen zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Vielseitigkeit aus. Während in Vevey der Dialog mit der Gegenwart betont wird, liegt in Lausanne der Fokus auf der kunsthistorischen Einordnung. Herausragende Leihgaben, wie etwa der Holzschnitt „Le Coup de vent“ (1894) oder das ikonische Gemälde „La blanche et la noire“ (1913), unterstreichen die Bedeutung Vallottons als Künstler, der die Grenzen zwischen Grafik und Malerei revolutionierte.

Ein Künstler für heute

Vallottons Kunst ist in ihrer Ambivalenz und Präzision von frappierender Modernität. Seine Werke, oft zwischen scharfer Kritik und poetischer Versöhnung oszillierend, sprechen auch in der Gegenwart ein Publikum an, das in Zeiten des Wandels nach Orientierung sucht. Der künstlerische Dialog mit zeitgenössischen Positionen in den Ausstellungen verdeutlicht, wie Vallottons Werk Fragen nach Identität, Moral und Schönheit verhandelt, die auch heute von brennender Relevanz sind.

Laziness (1896)
Félix Vallotton

Die Museen und ihre Rolle

Die beteiligten Institutionen – darunter das Musée Jenisch Vevey, das Kunst Museum Winterthur und das Musée cantonal des Beaux-Arts Lausanne – zählen zu den renommiertesten Häusern der Schweiz. Ihre architektonische Strahlkraft und ihr Engagement für die Bewahrung und Vermittlung der Kunst machen sie zu idealen Schauplätzen für dieses nationale Projekt.

Praktische Informationen

Die Hommage an Vallotton erstreckt sich über das ganze Jahr 2025. Die Hauptausstellungen finden zu unterschiedlichen Zeitpunkten an den genannten Orten statt. Besucher sollten sich auf den jeweiligen Webseiten der Museen über Öffnungszeiten, Eintrittspreise und Anreiseoptionen informieren (Details unter https://www.vallotton2025.ch/de/).

Fazit: Ein würdiger Geburtstag

Das Vallotton-Jahr 2025 zeigt eindrucksvoll, wie lebendig und facettenreich das Erbe eines Künstlers sein kann. Die Ausstellungen offenbaren nicht nur die Vielseitigkeit seines Schaffens, sondern auch seine anhaltende Bedeutung für die Gegenwartskunst. Kritisch bleibt anzumerken, dass die Fülle an Veranstaltungen auch eine Herausforderung darstellt – sowohl für Kuratoren als auch für das Publikum. Doch gerade diese Diversität macht die Hommage zu einem kulturellen Ereignis von europäischem Rang.

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