Station: [29] Perlen

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Perlen gehören zu den bekanntesten traditionellen Zahlungsmitteln. Sie werden aber natürlich nicht nur als Geld verwendet, sondern vor allem zur Dekoration. Es ist bei den verschiedenen Perlenarten oft schwierig zu entscheiden, ob sie als Schmuck oder als Zahlungsmittel gelten müssen. Bernsteinperlen (Nr. 88) sind unter den Berbern Nordafrikas besonders beliebt. Dem gelben Bernstein werden schützende Kräfte nachgesagt, er soll Krankheiten fernhalten. Deshalb werden Bernsteinperlen gerne als Schmuck getragen. Gleichzeitig dienen sie aber auch als Vermögensreserve. In Notlagen oder während finanziellen Engpässen werden die Perlen gegen Bargeld verkauft oder für Waren eingetauscht. In Westafrika bevorzugt man dagegen Perlen aus Bauxit, wie sie das obere Tablar in zwei verschiedenen Formen zeigt (Nr. 86 und 87). Bauxit ist ein mineralisches Gemisch aus Ton und verschiedenen Erzen. Jede Bauxitperle wird von Hand aus dem Stein geschnitten, geschnitzt, geschliffen und gelocht. Dann werden die Perlen auf Schnüre aufgezogen. Die Ketten werden von den Frauen gerne um Hüften oder Hals getragen, oft in mehreren Strängen. Solche Bauxitperlschnüre werden aber nicht nur als Schmuck, sondern auch als Zahlungsmittel verwendet. In den 1940er-Jahren galt in Nigeria eine Schnur rund 1 Shilling 6 Pence Sterling – heute wären das knapp 3 Pfund Sterling, oder gut 4 Euro. Schwieriger zuzuordnen sind die Glasperlen, die das Regal weiter unten zeigt (Nr. 89-92). Sie wurden bis ins 19. Jahrhundert vor allem in Zentralafrika gebraucht. Es gab hunderte verschiedener Arten: jeder Marktplatz hatte seine eigene Perlenwährung. Hinzu kam, dass oft ganz verschiedene Perlenarten verwendet wurden, um zum Beispiel Lastenträger zu bezahlen oder Lebensmittel einzukaufen. Oft wurde für eine bestimmte Ware nur eine Perlenart akzeptiert. So gab es spezielle Perlen für den Kauf von Palm- oder Kokosöl, Elfenbein, Gold oder Sklaven. Perlen werden in Afrika heute nicht mehr als Zahlungsmittel gebraucht. Aber sie spielen bei vielen Völkern noch immer eine grosse Rolle: als Talismane, um Reichtum und Status auszudrücken, oder für rituelle Handlungen. So brauchen viele afrikanische Völker bestimmte Perlenarten für Übergangsriten wie Geburt, Beschneidung, Heirat, bei Eintritt eines jungen Mannes in die Kriegerkaste oder bei Beerdigungen.