Station: [303] Rituelle Zahlungen

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Für uns sind die verschiedenen und oft hochkomplizierten Systeme ritueller Zahlungen schwer zu verstehen. Zumal dafür oft Zahlungsmittel verwendet werden, die meist nur gerade für diese Art von Transaktion dienen, dafür aber zwingend notwendig sind. Die Moka Kina, unsere Nummer 14, ist so ein besonderes Zahlungsmittel. Wenn man es genau bedenkt, gibt es auch bei uns noch Verpflichtungen, die wir nicht mit einer Banknote begleichen können. So bringt man als eine Art «moralische Gegengabe» für eine Einladung eine Flasche Wein oder einen Blumenstrauss mit. Auch das ist eine traditionelle Zahlung, ein «traditionelles Zahlungsmittel». Wenn unsere Gastgeberin keinen Wein mag, dient ihr die Flasche vielleicht wieder als Gastgeschenk. Damit wird der Wein (fast) zu einer Art von Zahlungsmittel … Es gibt verschiedene Arten von rituellen Zahlungen. Da sind zum Einen Tauschfeste wie Kula, Moka oder Potlatch, bei denen man gar nicht von «Zahlung» in unserem Wortsinn sprechen kann. Vielmehr handelt es sich dabei um einen ritualisierten Gabentausch. Kula und Moka finden in bestimmten Bevölkerungsgruppen Papua-Neuguineas statt; Potlatch ist ein Ritual der nordamerikanischen Indianer. Dabei werden Gaben ausgetauscht oder verteilt. Je wertvoller sie ausfallen, desto bedeutender ist die Position und der soziale Status des Gebenden. Auch die Brautzahlung, die seit jeher in vielen Kulturen üblich ist, ist in gewisser Weise ein ritualisierter Gabentausch. Auch Geburten, Hochzeiten, Initiierungsriten oder Beisetzungen verlangen in vielen Kulturen die Übergabe bestimmter Objekte. Dabei geben die Gäste der betroffenen Familie einen gewissen Betrag, wobei die, die viel geben, ein höheres Ansehen erwerben. Nach den Feierlichkeiten verteilt die Familie die mitgebrachten Gaben oft wieder unter die Gäste.