Reisende, die um 1800 Kiel besuchten, fanden die Stadt wenig attraktiv. Beliebt waren die idyllische Lage an den Ufern der Förde und das landschaftlich liebliche Umland. Die Stadt begann im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts schnell zu wachsen. Die bei Besucher*innen beliebte Naturidylle wich Industriestandorten und Wohnquartieren. In Sorge, dass Kiel dadurch an Attraktivität verlieren würde, gründete sich am 24. April 1897 der „Verein zur Hebung des Fremden- und Geschäftsverkehrs“. Die Ausstellung ist eine Würdigung des 125-jährigen Jubiläums des sogenannten „Verkehrsvereins“ – heute Kiel-Marketing – und präsentiert das wechselnde touristische Stadtimage. Anliegen des Vereins und des Nachfolgers war und ist es, Kiel für Tourist*innen attraktiv zu gestalten und in Szene zu setzen. Dazu gehör(t)en Werbekampagnen, die den jeweiligen Zeitgeist widerspiegeln, und das Schaffen von touristischer Infrastruktur. Die Ernennung Kiels zur „Marinestation der Ostsee“ 1865 und vor allem der Proklamation Kaiser Wilhelms II.: Deutschlands Zukunft liegt auf dem Wasser, bescherte Kiel neue touristische Anziehungspunkte: die kaiserliche Marine, die Staatsbesuche des Kaisers und die seit 1882 jeden Sommer stattfindende „Kieler Woche“. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg gab es diese Sehenswürdigkeiten und Reiseanlässe nicht mehr. Die Stadt versuchte, sich neu zu positionieren. Es wurde mit der „Kieler Herbstwoche für Kunst und Wissenschaft“ auf ein internationales Kulturprogramm gesetzt und mit der „Nordischen Messe“ sollte die zivile Wirtschaft gezielt gestärkt werden. Beide besucherwirksame Veranstaltungen litten durch die wirtschaftlich schwierigen Zeiten Mitte der 1920er Jahre. Die Nationalsozialisten bewarben erneut die Marine, die wachsende Kriegsflotte und den auch zur Wehrertüchtigung genutzten Segelsport als touristische Ziele. Das publikumswirksame Großereignis der Zeit waren die in Kiel ausgetragenen olympischen Segelwettbewerbe 1936. Nach dem Zweiten Weltkrieg existierten weder die als Sehenswürdigkeit beworbene Kriegsmarine noch viele der kulturhistorisch interessanten Gebäude und Denkmäler mehr. Ein neuerlicher Imagewechsel stand an. Die Stadt präsentierte sich überregional als Tagungsort und regional als lohnenswertes Ausflugsziel für Betriebsausflüge und Klassenfahrten. Die im Segelsport gegen Deutschland verhängte Blockade wurde 1951 aufgehoben. Die Kieler Bucht etablierte sich endgültig als eines der bekanntesten und beliebtesten Segelreviere. Die „Kieler Woche“ nahm rasanten Aufschwung und zog internationale Segelsportgrößen und Besucher*innen an. Dies führte dazu, dass Kiel erneut als Austragungsort olympischer Segelwettbewerbe ausgewählt wurde. Am 28. August 1972 wurde in dem extra erbauten Olympiazentrum Schilksee die olympische Flamme entzündet. Das vor allem durch den Segelsport geförderte positive Image Kiels wird gezielt zur weiteren Betonung des maritimen Images der Stadt genutzt. Dies zeigt sich auch in der offiziellen Stadtmarke, die seit 2016 „Kiel. Sailing. City“ lautet. 17. Juni 2022 – 13. November 2022 Öffnungszeiten: Di-So: 10:00 – 18:00 Uhr, montags geschlossen Stadtmuseum Warleberger Hof, Dänische Straße 19 Eintritt frei
18. Jun 2022 - 10:00
Dänische Straße 19
Kiel
24103
Germany

Current event for "Stadt- & Schifffahrtsmuseum"

„‘Kiel bittet um Ihren Besuch.‘ Touristisches Stadtimage im Wandel“

18. Jun 2022 - 10:00 – 13. Nov 2022 - 18:00
Stadt- & Schifffahrtsmuseum

Reisende, die um 1800 Kiel besuchten, fanden die Stadt wenig attraktiv. Beliebt waren die idyllische Lage an den Ufern der Förde und das landschaftlich liebliche Umland. Die Stadt begann im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts schnell zu wachsen. Die bei Besucher*innen beliebte Naturidylle wich Industriestandorten und Wohnquartieren. In Sorge, dass Kiel dadurch an Attraktivität verlieren würde, gründete sich am 24. April 1897 der „Verein zur Hebung des Fremden- und Geschäftsverkehrs“.
Die Ausstellung ist eine Würdigung des 125-jährigen Jubiläums des sogenannten „Verkehrsvereins“ – heute Kiel-Marketing – und präsentiert das wechselnde touristische Stadtimage. Anliegen des Vereins und des Nachfolgers war und ist es, Kiel für Tourist*innen attraktiv zu gestalten und in Szene zu setzen. Dazu gehör(t)en Werbekampagnen, die den jeweiligen Zeitgeist widerspiegeln, und das Schaffen von touristischer Infrastruktur. Die Ernennung Kiels zur „Marinestation der Ostsee“ 1865 und vor allem der Proklamation Kaiser Wilhelms II.: Deutschlands Zukunft liegt auf dem Wasser, bescherte Kiel neue touristische Anziehungspunkte: die kaiserliche Marine, die Staatsbesuche des Kaisers und die seit 1882 jeden Sommer stattfindende „Kieler Woche“.
Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg gab es diese Sehenswürdigkeiten und Reiseanlässe nicht mehr. Die Stadt versuchte, sich neu zu positionieren. Es wurde mit der „Kieler Herbstwoche für Kunst und Wissenschaft“ auf ein internationales Kulturprogramm gesetzt und mit der „Nordischen Messe“ sollte die zivile Wirtschaft gezielt gestärkt werden. Beide besucherwirksame Veranstaltungen litten durch die wirtschaftlich schwierigen Zeiten Mitte der 1920er Jahre. Die Nationalsozialisten bewarben erneut die Marine, die wachsende Kriegsflotte und den auch zur Wehrertüchtigung genutzten Segelsport als touristische Ziele. Das publikumswirksame Großereignis der Zeit waren die in Kiel ausgetragenen olympischen Segelwettbewerbe 1936. Nach dem Zweiten Weltkrieg existierten weder die als Sehenswürdigkeit beworbene Kriegsmarine noch viele der kulturhistorisch interessanten Gebäude und Denkmäler mehr. Ein neuerlicher Imagewechsel stand an. Die Stadt präsentierte sich überregional als Tagungsort und regional als lohnenswertes Ausflugsziel für Betriebsausflüge und Klassenfahrten. Die im Segelsport gegen Deutschland verhängte Blockade wurde 1951 aufgehoben. Die Kieler Bucht etablierte sich endgültig als eines der bekanntesten und beliebtesten Segelreviere. Die „Kieler Woche“ nahm rasanten Aufschwung und zog internationale Segelsportgrößen und Besucher*innen an. Dies führte dazu, dass Kiel
erneut als Austragungsort olympischer Segelwettbewerbe ausgewählt wurde. Am 28. August 1972 wurde in dem extra erbauten Olympiazentrum Schilksee die olympische Flamme entzündet.
Das vor allem durch den Segelsport geförderte positive Image Kiels wird gezielt zur weiteren Betonung des maritimen Images der Stadt genutzt. Dies zeigt sich auch in der offiziellen Stadtmarke, die seit 2016 „Kiel. Sailing. City“ lautet.


17. Juni 2022 – 13. November 2022
Öffnungszeiten: Di-So: 10:00 – 18:00 Uhr, montags geschlossen
Stadtmuseum Warleberger Hof, Dänische Straße 19
Eintritt frei

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