Auf der Herreninsel im Chiemsee erhebt sich das Neue Schloss Herrenchiemsee, ein repräsentatives Baudenkmal, das König Ludwig II. von Bayern als private Residenz nach dem Vorbild von Schloss Versailles errichten ließ und heute als Museum von nationaler Bedeutung gilt.
Die Dreiflügelanlage im Stil des Neubarock entstand zwischen 1878 und 1886. Ausgangspunkt war Ludwigs langjähriges Interesse an Versailles; nach mehreren Umplanungen verlegte er den Standort auf die isolierte Herreninsel, die zuvor Klosterbesitz gewesen war. Der Bau wurde in großem Umfang ausgeführt, die Ausstattung der Paraderäume beanspruchte erhebliche Mittel. Besonders auffällig sind das prunkvolle Treppenhaus, das überdimensionierte Paradeschlafzimmer und die Große Spiegelgalerie, die in Länge und Ausstattung an das französische Vorbild anknüpfen.
Ludwig II. bewohnte das Schloss nur kurz; sein Tod 1886 stoppte die Arbeiten, mehrere Teile blieben unvollendet und ein nördlicher Bauabschnitt wurde später abgetragen, so dass das Ensemble heute eine U-Form zeigt. Die hohe Bau- und Ausstattungsintensität führte zu erheblichen Kostensteigerungen, die jedoch zugleich zahlreiche bayerische Handwerksaufträge nach sich zogen und wirtschaftliche Impulse im Königreich erzeugten.
Seit den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts dient das Neue Schloss überwiegend musealen Zwecken. Es überstand die Weltkriege ohne größere Schäden; einzelne Flügel wurden zu Ausstellungsbereichen umgestaltet und in umfangreiche Restaurierungs- und Erschließungsmaßnahmen investiert. Bedeutende Landesausstellungen und Sanierungsprojekte machten das Haus modernen Besucherkonzepten zugänglich und steigerten die Besucherzahlen. Im Jahr 2025 wurde Herrenchiemsee gemeinsam mit den weiteren Königsschlössern Ludwigs II. in die UNESCO-Liste des Welterbes aufgenommen, wodurch seine herausragende kulturelle Bedeutung international anerkannt und besonders geschützt ist.