In Rastatt befindet sich Schloss Favorite, die ehemalige Residenz der Markgrafen von Baden-Baden und ein bedeutendes Beispiel barocker Lustarchitektur.
Das Lustschloss in Rastatt-Förch wurde ab 1710 auf Wunsch der Markgräfin Franziska Sibylla Augusta von Baden-Baden errichtet und ergänzte die Hofresidenz in Rastatt als Ort für höfische Vergnügungen, Gesellschaft, Jagd, Maskeraden, Studien und Kindererziehung. Die Bauzeit erstreckte sich bis etwa 1730. Das Gebäude gehört zu den frühesten deutschen Porzellanschlössern und hat seine ursprüngliche Gestalt bewahrt. Die Innenräume beherbergen eine außergewöhnliche Sammlung chinesischen Porzellans, schwarzer Lackarbeiten und des „Schwartz Porcelain“ (Steinzeug mit schwarz-goldener Lackmalerei).
Ursprünglich war das Anwesen von einem barocken Lustgarten mit Alleen, symmetrischen Parterres, Wasserspielen und Orangerien umgeben; in einem nahen Fasaneriewäldchen befanden sich Brut- und Futterhäuser. Eine Eremitage entstand 1718 als Rückzugsort der Stifterin. Im späten 18. Jahrhundert wandelte sich der formale Barockgarten zu einem englischen Landschaftsgarten mit Wiesen, Teichen, Sichtachsen und Wasserläufen, der das heutige Erscheinungsbild stark prägt.
Die dreigeschossige Anlage umschließt mit zwei Seitenflügeln einen kleinen Ehrenhof; Kolonnaden an Ost und West dienten als Orangerien. Ein hervorgehobener Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel zeigt das baden-sachsen-lauenburgische Allianzwappen. Die 15 Fensterachsen und die Kolossalpilaster verbinden Erd- und Obergeschoss. Eine geschwungene Freitreppe führt in die Beletage zu den Paraderäumen; das Erdgeschoss beherbergte Nutzräume und eine zur Schau gestellte Küche, die bereits zu Lebzeiten der Markgräfin Besucher beeindruckte.
Im Inneren bestimmt die Sala terrena den Raumaufbau: ein rechteckiger, gartenbezogener Saal, der sich über mehrere Stockwerke erstreckt und von einem Kuppelturm abgeschlossen wird; vier schräg gestellte Nischen gliedern den Raum. In der Beletage flankieren je ein Appartement die zentrale Halle. Böden aus Stuckmarmor, Fayencefliesen, reich verzierte Stuck- und Freskendecken, bestickte Wandbehänge und erlesene Möbel zeugen von handwerklicher Vielfalt des frühen 18. Jahrhunderts.
Als Gesamtkunstwerk repräsentiert Schloss Favorite den Fürstengeschmack und die herrschaftliche Selbstdarstellung. Das vollständig erhaltene Florentiner Kabinett ist in Europa einmalig: 758 Bildtafeln, davon 55 aus Florenz, sind in der kostspieligen Commesso-Technik aus verschiedenfarbigen Marmor- und Halbedelsteinplatten gearbeitet und beeindrucken noch heute durch Farbintensität und handwerkliche Perfektion.
Die Anlage gehört zu den landeseigenen Denkmälern und steht unter der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. Die prächtig dekorierten Räume und die sammlungsbezogene Präsentation vermitteln exemplarisch die Formen der Chinoiserie und die Asienbegeisterung des frühen 18. Jahrhunderts, indem die Objekte in ihrer historischen Kontextualisierung gezeigt werden.