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Der Osterburg Zeit geben - Ausstellung eröffnet

17. Mar 2015
Osterburg Weida

Uhren, Kalender und Bauzeiten

Die neue Ausstellung in der Remise des Osterburgmuseums will die Dimension ZEIT in den Mittelpunkt rücken. Wenn man den Raum betritt, fällt sofort das „Sternenbanner“ ins Auge.

Das hat rein gar nichts mit der Staatsflagge der USA zu tun; es bildet den Sternenhimmel ab, wie ihn die Vögte, wettinische Amtsleute, Türmer und heute lebende Menschen über der Osterburg gesehen haben oder heute noch sehen können. Auch Seefahrer haben ja zu allen Zeiten an den Gestirnen die Zeit gemessen.

Perfekt in das Sternenbanner eingepasst ist die Osterburg, deren Aussehen sich auch im Laufe der Zeit gewandelt hat, wie drei Beispiele aus drei verschiedenen Jahrhunderten anschaulich machen.

Zeit ist aber nur ein Beispiel aus der breiten Palette von Naturphänomenen und technischen Systemen, die später einmal im Neuen Schloss der Osterburg im Wortsinn „begreifbar“ werden sollen. Schülerlabore, Experimentierstationen und Ausstellungsflächen zu naturwissenschaftlichen und technischen Themen – all das verbirgt sich hinter dem Namen

WISSENS-SCHLOSS.

Im Wissens-Schloss soll die natürliche Neugier von Schülerinnen und Schülern aufgegriffen und geholfen werden, dieses Interesse und damit auch die Offenheit für eine spätere berufliche Orientierung im naturwissenschaftlich-technischen Bereich zu bewahren. Dabei wird auch an außerschulische Weiterbildungsmöglichkeiten gedacht. Diese Maßnahmen und die geplanten Mitmach-Ausstellung könnten ein überregional attraktives Ziel werden und die Wirtschaft der Region bei der Fachkräftegewinnung unterstützen.

Die Ausstellung „Der Osterburg Zeit geben“ will Brücke sein. Sie will der Osterburg die Zeit geben, die nötig ist, um das Wissens-Schloss zu etablieren. Sie will aber auch den Besuchern die Zeit nahe bringen. Zeit kann man messen, beschreiben, einteilen, verschwenden – eines jedoch nicht: Man kann sie nicht anhalten. Zeit vergeht oder Tempus fugit, wie schon die Römer wussten.

Also spielen Zeitmesser eine Rolle in der neuen Ausstellung. Weidas Ehrenbürger Kurt Häßner hat dazu eine Dokumentation zu Turmuhren erarbeitet. Besucher können das Uhrmacherhandwerk im alten Weida kennen lernen und treffen auf zwei heute noch in diesem Metier Tätige.

Die Atomuhr wird nochmals ausgestellt, die schon 2012 während der Jubiläumsausstellung zur Physikalisch Technischen (Reichs-)Bundesanstalt im Osterburgmuseum zu sehen war. Auf Grund des großen Interesses haben sich die Kuratoren der damaligen Ausstellung – die Professoren Jürgen Müller und Peter Bussemer von der Berufsakademie Gera – entschlossen, die letzte und einzige Atomuhr der DDR wieder aufzubauen. Obwohl auch diese inzwischen in die Jahre gekommen ist, repräsentiert sie die Moderne. Schließlich kontrollieren seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hochgenaue Atomuhren die Zeit.

Ein schöner Gegensatz dazu ist das Turmuhrwerk aus dem 19. Jahrhundert, das wahrscheinlich aus einem Kirchturm der um Weida herum liegenden Dorfkirchen stammt.

Kalender sind das nächste Thema. Die ältesten stammen aus dem 17. Jahrhundert. Dr. Klaus-Dieter Herbst aus Jena kümmerte sich um diesen Aspekt der Zeiteinteilung. Dr. Herbst forscht gegenwärtig am Kalenderwesen der Frühen Neuzeit und will ein Handbuch der Kalendermacher von 1550 bis 1750 erstellen.

Bauzeiten ist der dritte Schwerpunkt. Bauforscher Lutz Scherf schließt den Bogen zum Ausstellungsort. Die Osterburg ist auch nicht über Nacht entstanden. Für Gründung, Bau und mehrmalige Umbauten musste Zeit veranschlagt werden. Viel Zeit. Und so finden sich in der Ausstellung Ansichten und Beschreibungen der Osterburg, wie sie anno 1250, 1550 und 1950 ausgesehen hat.

Die Osterburg lädt zur Betrachtung der Zeit ein. Die Ausstellung wendet sich an historisch und technisch interessierte Menschen. Sie nimmt das Wissens-Schloss ein klein wenig vorweg. Und sie will jungen Leuten eine Fähigkeit vermitteln. Die Fähigkeit, sich in einer technisch-naturwissenschaftlich geprägten Welt zu orientieren, fächerübergreifendes naturwissenschaftliches Denken einzuüben, industrielle Produktions-abläufe zu begreifen und eine kritische Aufgeschlossenheit für neue Technologien zu entwickeln.

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