Das Wandern ist des Künstlers Lust

Rechtzeitig zum Beginn der Outdoor-Saison eröffnet die Alte Nationalgalerie in Berlin ihre Ausstellung über das Wandern in der Kunst des 19. Jahrhunderts.

Einsame Menschen – meist in Rückenansicht – vor grandiosen Landschaften. Mit diesen Motiven erklomm Caspar David Friedrich den Gipfel der romantischen Malerei in Deutschland. Er lag damit voll im Trend der Zeit: Die gesellschaftlichen Umwälzungen der Französischen Revolution hatten das Individuum und seinen Standpunkt in der Welt ins Zentrum des gesellschaftlichen Interesses gerückt. Das beginnende 19. Jahrhundert entwickelt daraus eine neue Form der Selbst- und Welterkenntnis: Das selbstbestimmte Reisen – meist zu Fuß – und die individuelle Begegnung mit der Natur.

Der Mensch der Romantik schnürt sein Säckel, zieht die Wanderschuhe an und macht sich auf den Weg durch Berge, Täler und andere Landschaften. Anders als der Handlungsreisende oder Pilger hat er kein Ziel, er wandert um des Wanderns willen, oder mit heutigen Worten gesagt: der Weg ist sein Ziel.

Wie sehr diese sinnliche und körperliche Form der Weltaneignung das 19. Jahrhundert bestimmt hat, zeigt nun eine Ausstellung in der Alten Nationalgalerie in Berlin. Mehr als 120 Werke zeigen die Faszination des Wanderns, die Selbstinszenierung des Künstlers als Suchenden, Findenden oder Treffenden und seinen Blick auf die Natur und die Menschen seiner Wandergründe.

Von Caspar David Friedrich und Carl Blechen über Karl Friedrich Schinkel, Gustave Courbet, Ferdinand Hodler bis hin zu Emil Nolde und Ernst Ludwig Kirchner – die Ausstellung zeigt die Werke namhafter Künstler, die alle derselben Lust frönten und damit eine ganze Epoche prägten.

Besonders gut gefallen hat uns das gelungene Gleichgewicht zwischen Kunstpräsentation und Vermittlung: Die Werke wirken für sich, das diskrete Kommentarschildchen auf Kniehöhe bietet jeweils einige erklärende Sätze, die das Gemälde in den Zusammenhang der Ausstellung einordnen. Nichts hindert den Besucher daran, sich wie der Wanderer im Gebirge zu fühlen: eins mit dem Raum, der ihn umgibt, und in inspirierendem Austausch mit Kunst und Natur.

 

Die Ausstellung Wanderlust ist vom 10.05.2018 bis zum 16.09.2018 in der Berliner Alten Nationalgalerie auf der Museumsinsel zu sehen.

Fotos © Claudia Klein