Station: [901] Am herodianischen Tempel

  • Die Stationen am Tempel
  • Am herodianischen Tempel

Ich bin in das Museum reingegangen und direkt vor mir steht eine große Vitrine. Darin ist ein weißes Modell zu sehen, in der Mitte ein Gebäude und ringsherum ein großer Platz, umgeben von Mauern und einer Reihe von Arkaden: wahrscheinlich ein Tempel. Darüber läuft eine Computeranimation. Darauf ist das der Gebäude zu sehen. Nach der Größe der Menschen zu urteilen, muss das ganz schön groß gewesen sein. Ich frage mal jemanden, der hier arbeitet: „Was für ein Bauwerk ist das und wie groß ist es?“ „Dieser Tempel, der stand in der Stadt Jerusalem. Dieses Gebäude ist wirklich sehr groß! Alleine seine Vorhalle mit der großen Tür hat eine Höhe und Breite von 100 Ellen, das entspricht ungefähr 45 m. Das Gebäude ist von einem gewaltigen Platz umgeben. Er hat eine Fläche von ungefähr 144.000 m², das entspricht mehr als 20 Fußballfeldern! Der Tempel und der Platz liegen auf einer großen Plattform. Diese Plattform befindet sich auf dem flachen Gipfel des Berges Moria, des Tempelberges in Jerusalem. Um die Plattform überhaupt bauen zu können, mussten die Baumeister um den Berg herum auf allen vier Seiten Stützmauern errichten. Ihre gewaltige Höhe, die ist in dem Film wirklich sehr gut zu erkennen.“ „Und wer hat diesen Tempel gebaut?“ König Herodes hat den Tempel gebaut, die Plattform, den großen Platz und auch die ihn umgebenden Hallen. Die Bauarbeiten haben 20 vor Christus begonnen und über 80 Jahre gedauert. Zurzeit Jesu war der Tempel also noch gar nicht fertig gestellt.“ „Und jetzt haben wir hier einen großen Platz, aber um den Tempel herum liegen auch noch zwei kleinere Plätze, die extra mit Mauern umgeben sind. Was haben denn die zu bedeuten?“ „Im Tempelgebäude selbst, ganz tief innen drin, liegt das Allerheiligste. Für die Menschen damals war das sozusagen der Wohnort Gottes auf Erden. Diesem Ort durfte man sich nicht so einfach nähern. Das Tempelgebäude durften nur Priester betreten, das Allerheiligste sogar nur der Hohepriester einmal im Jahr am Versöhnungstag, das ist der Yom Kippur.“ „Also nur der Hohepriester oder nur die Priester - und was ist mit den anderen Menschen?“ „Andere Menschen mussten in den ummauerten Höfen bleiben. Die Heiden, also alle Nicht-Juden, die durften immerhin auf den großen Platz mit den Säulenhallen. Dort herrscht reges Treiben. Man muss sich diesen Platz wie einen 20 Fußballfelder großen Marktplatz vorstellen mit Marktständen und Geldwechslern.“ „Und wer durfte in die inneren Höfe rein?“ In die inneren Höfe, da durften nur jüdische Menschen rein. Allerdings mussten Frauen und Kinder in dem Hof bleiben, der weiter vom Tempel entfernt lag. Männer durften immerhin näher ran, und im inneren Hof bei den Opferungen zuschauen. Aber auch sie durften eine gewisse Linie nicht überschreiten.“