Station: [10] Perlen für die Wilden? - Das monetäre System der afrikanischen Handelsstraßen

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Objekt: Millefiori-Perlen aus Venedig für den afrikanischen Markt. Bis Mitte 20. Jahrhundert.

Ha, ihr dummen Händler aus dem Westen! Ihr wollt das Elfenbein selbst im Inneren Afrikas einkaufen, weil ihr uns, den Nyamwezi, den Profit nicht gönnt? Zieht doch los mit euren Karawanen! Mietet euch Träger! Ladet ihnen eure Glasperlen auf! Ihr werdet schon merken, wie weit kommt! Ihr habt doch bis heute nicht begriffen, wie unser Geldsystem funktioniert! Ich bin Riziki, Riziki von den Nyamwezi, und Riziki sagt euch, dass ihr unser Geldsystem nie verstehen werdet, solange ihr glaubt, dass wir eure Glasperlen nur als Schmuck benutzen. Es ist nämlich viel komplizierter! So kompliziert, dass ihr das nie lernt. Wir zahlen nur an der Küste mit dem schwarzen Dollar. Ihr sagt Maria-Theresien-Taler dazu und sprecht von Sansibar, wenn ihr euer Einfallstor zu unseren Handelsstraßen meint. Glaubt mir, wenn ihr ins Innere unseres Landes kommt, helfen euch eure Münzen überhaupt nichts. Da gelten nämlich andere Regeln. Da wird Ware gegen Ware getauscht. Und dafür müsst ihr genau wissen, welches Volk welche Ware braucht. Die Glasperlen, die will nicht jeder haben. Aber immerhin könnt ihr damit den hongo zahlen. Das ist das, was ihr Zoll nennt, also das, was ein Chief haben will, damit er euch überhaupt auf seinen Markt lässt. Dort könnt ihr dann eure Waren eintauschen. Aber so ein Chief will nicht irgendwelche Perlen. Sofi zum Beispiel, also diese bunten Perlen aus der Stadt, die ihr Venedig nennt, die will doch kein Chief haben! Die wollen bubu, die schwarzen Perlen! Mit den Sofi könnt ihr euer Wasser kaufen und eure Träger bezahlen. Und vielleicht könnt ihr damit auch noch die täglichen Essensrationen für eure Träger kaufen. Wenn ihr Glück habt. Aber glaubt ja nicht, ihr könntet Elfenbein mit Sofi kaufen. Da müsst ihr schon Stoffe bringen! Oder noch besser Gewehre! Überlasst den Handel mit dem Inneren Afrikas besser uns, den Nyamwezi! Das kommt euch im Endeffekt billiger! Wir wissen nämlich genau, welche Ware die Leute haben wollen und wo wir mit welcher Währung bezahlen!

Karin Pallaver, A recognized currency in beads. Glass Beads as Money in the 19th-Century East Africa: the Central Caravan Road. In: Money in Africa (2009), s. 20-29.