Station: [11] Das Salz in der Suppe: Brautpreis in Burkina Faso

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Objekt: Salzbarren aus Äthiopien. Bis Mitte 20. Jahrhundert.

Ich bin Asma. Und ich bin nervös. Heute ist es so weit. Die Verwandten von meinem Mann werden kommen, um den Brautpreis zu zahlen. Das ist wichtig. Auch heute noch. Früher war es natürlich noch viel wichtiger. Denn wenn eine Frau geheiratet hat, hat sie der Familie ihres Mannes gehört. Solange sie klein war, hat sie ihre Familie ernährt. Wenn sie groß und stark ist, heiratet sie und arbeitet für die Familie ihres Mannes. Das war natürlich nicht gerecht. Deswegen musste ein Ausgleich geschaffen werden. Heute ist das ein bisschen anders. Der Brautpreis ist eher symbolisch. Deshalb geht es auch nicht um gewaltige Summen, aber es ist schon wichtig, dass sich Moussas Eltern bei den Dingen der Brautbegrüßung nicht als schäbig erweisen. Dinge der Brautbegrüßung, so nennen wir die Geschenke der Familie des Bräutigams. Natürlich haben meine Eltern schon längst mit den Eltern von Moussa geredet. Aber erst heute kommen unsere Familien zusammen. Moussas Eltern besuchen unser Dorf. Sie werden alle wichtigen Männer ihrer Sippe mitbringen. Je mehr erfahrene Männer, umso besser für ihr Ansehen. Papa geht auch schon seit Tagen herum, um dafür zu sorgen, dass wir mindestens genauso viele bedeutende Männer aufbieten werden. Denn sie sind seine Unterstützung. Sie müssen sagen, ob ihnen die Eltern von Moussa mit ihrem Brautpreis die angemessene Hochachtung erwiesen haben. Unsere Familienältesten helfen Papa, alles in Empfang zu nehmen und zu begutachten. Die Kolanüsse und das Geld. Den Hahn und das Schlachttier. Und vor allem das Salz. Das Salz ist wichtig. Denn mit genau diesem Salz wird jede Frau unserer gesamten Verwandtschaft ihre Suppe salzen. Und jeder von meiner Sippe, der diese Suppe isst, wird wissen, dass Moussa und ich jetzt zusammen gehören. Man hat mir erzählt, ihr unterschreibt einen Vertrag, wenn ihr heiratet. Wir essen das Salz des Bräutigams. Ich finde, bei uns ist es besser, denn jeder, der das Salz von dem Barren gegessen hat, den Moussas Familie für mich bezahlt hat, zeigt dadurch, dass er es gut findet, dass Moussa und ich jetzt auch eine Familie sind.

Kathrin Knodel, Der Brautpreis in Westafrika. In: Werte im Widerstreit. Duisburg 2014.