Station: [7] Wir sind nicht auf dem Markt!

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Objekt: Mamuli aus ursprünglich versilbertem Weißblech, 18. Jh.

Sumba, 19. Jahrhundert

Was für ein kostbares Mamuli. Sein Material kommt vom Himmel. Wenn die Sonne untergeht, bringt sie Gold. Wenn der Mond untergeht, bringt er Silber. Aus diesen Metallen wurden vor langer, langer Zeit die echten Mamuli gemacht. Sie sind wertvoll, nicht, weil sie aus teurem Material sind, sondern weil sie seit Generationen von Hand zu Hand gehen. Denn jede wichtige Aktion verlangt nach einem Ritual. So, wie Ihr zu Euren Notaren rennt, sobald ihr nur ein Stückchen Boden verkauft, so werden bei uns zusätzlich zum eigentlichen Preis symbolische Objekte übergeben. Ubu Sebu, der Mann, der mich heiraten wird, hat dieses Mamuli meinem Vater gegeben. Es ist nicht für ihn, sondern für meine Mutter als Geschenk und Erinnerung daran, dass sie mich auf dem Rücken liegend geboren hat. Dieser Teil des Geschenks heißt deshalb kapila kadenga. Ihr würdet das mit "Narben am Rücken" übersetzen. Und seht euch das Mamuli doch an! Es erinnert durch seine Form an die Geburt. Natürlich ist das nicht das erste Treffen. Zuerst brachte Ubu Sebu die sorgfältig in ein Blatt gewickelte Betelnuss. Vater hat sie angenommen und so seine Bereitschaft gezeigt, einen Termin auszumachen. Beim zweiten Treffen betrat Ubu Sebu unser Haus. Mein Vater hatte wie üblich ein Schwein geschlachtet. Denn beim zweiten Treffen muss es nach dem Fett riechen, das aus dem gerösteten Schwein ins Feuer tropft. Der Geruch ist ein gutes Omen für die Verhandlungen. Vielleicht war das Schwein nicht fett genug, denn beinahe wäre es zum Streit gekommen. Mein Vater wollte zu viel. Und Ubu Sebu hat zu wenig geboten. Gut, dass Großvater dabei war. Er hat gerufen: "Wir sind doch nicht auf dem Markt! Ein Brautpreis muss mit Würde verhandelt werden. Wer mehr hat, gibt beim Handel nach." Mein Vater hat sich geschämt und war mit Ubu Sebus Angebot zufrieden. Und heute ist Ubu Sebu zum dritten Mal gekommen und hat die verlangten Rinder gebracht. Und dieses Mamuli für meine Mutter. Wir werden es als Schatz hüten. Denn all diese symbolischen Geschenke haben eine spirituelle Kraft. Sie spielen eine entscheidende Rolle in dem Zeremoniell, das aus mir, dem Mädchen Rabu Màbal, die Frau des Ubu Sebu macht.

Webb Keane, Signs of Recognition: Powers and Hazards of Representation in an Indonesian Society. University of California (1997), S. 199