Station: [8] Die Abschaffung der Manillas

  • MoneyMuseum

Objekt: Okpoho (= Birmingham Manilla)

19. Jahrhundert Nigeria 1. April 1949

 

Ab heute, dem 1. April 1949, sind unsere Manillen kein gesetzliches Zahlungsmittel mehr. Das haben die Engländer gesagt. Die wollen durchsetzen, dass wir ihr Geld benutzen. So sind die Herren. Immer muss man tun, was sie sagen. Das war schon so, als die ersten Manillas ins Land kamen. Damals kauften die Portugiesen mit ihnen Pfeffer, Elfenbein und Sklaven. Wir, die kleinen Leute, durften natürlich nie Handel mit Ausländern treiben. Wir hätten ja was verdienen können. Nein, unser König bestimmte, wer seinen Reichtum durch den Handel vergrößern durfte. Und der König profitierte am meisten. Seine Händler waren gierig. Sie trieben den Sklavenpreis in die Höhe. Die ersten Portugiesen zahlten 12 bis 15 Manillas für einen Sklaven. Eine Generation später verlangten wir 50 Manillas. Und dann hat der portugiesische König seinen Händlern verboten, mehr als 40 Manillas pro Sklave zu zahlen. Er wollte verhindern, dass die Preise weiter stiegen. Aber da kamen schon andere Händler. Die Niederländer und die Briten. Sie gaben uns, was wir verlangten. Und dann sagten die Engländer, dass es schlecht sei, Sklaven zu halten. Ich glaube ja, dass sie neidisch waren. Weil wir gut an dem Geschäft verdient haben und uns viele Gewehre kaufen konnten. Aber weil sie mächtig sind, haben sie auch bei uns den Sklavenhandel verboten. Und deshalb gab es keine Manillas mehr. Nun, wir hatten Manillas genug. Weißt du, wie viele die Briten eingesammelt haben? 32 Millionen Stück! Jetzt dürfen wir pro Kopf nur noch 200 Manillas besitzen. Wir brauchen sie nämlich immer noch für Begräbnisse und Hochzeiten und wenn wir einen Heiler entlohnen müssen. Außerdem sind so viele Okpoho, Okombo und Abi erlaubt, wie wir brauchen. Okpoho, so nennt man die Manilla, die du hier siehst. Sie ist 3 englische Pence wert. Dafür kann ich sie jederzeit verkaufen. Aber das will ich nicht.