Station: [5] Fränkisches Mädchengrab


F: „ … und weil es so schön ist, legen sie es in einen gläsernen, mit Schneewittchens Namen und Titel beschrifteten Sarg, in dem es aussieht, als schliefe es nur“, …

M: … heißt es im Märchen „Schneewittchen“ der Brüder Grimm.

F: Schneewittchen nennen die Offenbacher auch das Mädchen, das hier in einem gläsernen Sarg gebettet ist. Sie sehen ein fränkisches Grab aus dem 6. oder 7. Jahrhundert n. Chr., in dem das Skelett eines etwa 11-jährigen Mädchens liegt. Anthropologische Untersuchungen haben ergeben, dass das Kind an den Folgen einer Zahnvereiterung gestorben ist.

M: Aufschlussreich sind die Grabbeigaben: ein Kamm und eine Schere. Das Mädchen könnte als Frisörin tätig gewesen sein. Die Schere wiederum könnte aber auch bedeuten, dass sie Schneiderin war. Klar ist jedoch, dass sie mit ihren elf Jahren schon ein vollwertiges Mitglied der Hof- und Dorfgemeinschaft war. Damals galt man in diesem Alter als erwachsen.

F: Das fränkische Mädchengrab zeugt von der Landnahme der Franken nach ihrem Sieg über die Alamannen im 6. Jahrhundert. Charakteristisch für die Zeit sind Körperbestattungen auf Reihengräberfriedhöfen. Der größte fränkische Friedhof war in Bieber, wo auch das Offenbacher Schneewittchen 1977 bei Ausgrabungen gefunden wurde.

 

Fotos: © Haus der Stadtgeschichte