Audio guide: Retrospektive Kunstprojekt: ExperimenTiergarten (1998–2026)
Willkommen in der Ausstellung Retrospektive Kunstprojekt: ExperimenTiergarten.
Diese Ausstellung zeigt eine Auswahl an Bildern, die während 28 Jahren kunstpädagogischer Integrationsarbeit mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus unterschiedlichen sozialen und biografischen Kontexten entstanden sind.
Die Künstlerin und Kunsttherapeutin Salome Haettenschweiler hat das Projekt 1998 in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt Berlin-Mitte ins Leben gerufen und die teilnehmenden Kinder und jungen Erwachsenen auf ihrem schöpferischen Weg zum Ausdruck im Bild jenseits von Sprache begleitet. Die Herausforderung für die Teilnehmenden besteht darin, dass kein Thema vorgegeben wird. Jeder muss selbst entscheiden, was ihm/ihr wichtig ist und wie die Idee umgesetzt wird. Mit ihrem Malraum ExperimenTiergarten hat Salome Haettenschweiler einen sicheren Ort geschaffen, wo alle ihren eigenen Ausdruck suchen und finden dürfen.
So sehen wir in der Ausstellung, dass nicht nur gemalte Bilder entstanden sind, sondern auch Köpfe aus Ton, kunstvoll gestaltete Schwerter aus Holz, Collagen aus Papier und Textil sowie vieles mehr. Manche Arbeiten sind in kraftvollen Farben gemalt; die Striche sind schwungvoll geführt. Andere Arbeiten sind zarte Zeichnungen mit zahlreichen, sicher gesetzten Farbstrichen.
Es gibt kleine und große Formate. Vorwiegend wird auf einem matt-grauen Kartonpapier gearbeitet.
Als Motive sehen wir unter anderem Raum- und Dampfschiffe, ein weißes Einhorn mit wehender Feuermähne vor einem blauen Hintergrund, eine Wüstenlandschaft mit drei Kamelen, die sich aus kleinsten Papierstücken zu einem Mosaik zusammensetzt. Mit Blick auf die obere Bildreihe entdecken wir einen Werwolf, der vor einem Vollmond seine scharfen Zähne zeigt. An anderer Stelle sehen wir einen BVG-Bus mit Schriftzug; der Bus nimmt den ganzen Bildraum ein, wodurch seine Bewegung wie eingefroren wirkt. Daneben schreitet auf einem anderen Bild eine gezeichnete Schatten-Figur, die an Skulpturen von Giacometti erinnert.
Zwischen den Arbeiten der jungen Künstler*innen sehen wir stets Arbeiten von Salome Haettenschweiler, deren Formfindungen eine interessante Wechselwirkung zu den Arbeiten aus dem Projekt erkennen lassen. Wie ein unsichtbarer Dialog verweisen die Formen aufeinander, sodass ersichtlich wird, dass die aufgebaute Verbindung im Projekt im Atelierbereich fortwirkt.
In die Ausstellung ist auch eine Leseecke mit zahlreichen Bildbänden und Märchenbüchern integriert. Dieselben Bücher stellt die Künstlerin ihren Teilnehmer*innen zur Inspiration im Malraum zur Verfügung. Das koreanische Märchen „Die Blume einer Königin" wurde von zwei jungen Projektteilnehmerinnen in sechs Tafeln illustriert.
Die Ausstellung ist einerseits der langjährigen Projektarbeit im Malraum mit Salome Haettenschweiler gewidmet. Andererseits verleiht die Ausstellung der Notwendigkeit dieser schöpferischen Wurzelarbeit am Individuum Ausdruck und zeigt, dass kulturelle Bildung, Förderung und Integrationsarbeit grundlegend zur individuellen Entwicklung und Stärkung eines selbstbewussten gesellschaftlichen Handelns beitragen.