Station: [06] Die Kirche im Dorf: Religionen in Lette


Kannst Du Piepenprüörker sagen? Das heißt Pfeifenputzer auf Plattdeutsch. So nannten die Letteraner ihre erste Kirche im Volksmund – weil sie so ein hohes und spitzes Dach hatte. Eigentlich hießt sie Sankt Johannes der Täufer. 

Über dem Eingang war das Tympanon aus Sandstein mit einem Bild von Johannes dem Täufer, wie er Jesus Christus tauft. Die Sandsteinfiguren gehörten zur Kanzel. Die kleine romanische Kirche wurde wohl um 1185 gebaut und stand rund 735 Jahre im Zentrum von Lette. Den ursprünglichen Grundriss siehst Du auf einer Tafel. 

Im ersten Weltkrieg waren kurzzeitig Kriegsgefangene in der Kirche einquartiert.

Die Kirche wurde mehrfach erweitert, weil das Dorf immer weiter wuchs, aber der Platz reichte nicht, und so bauten die Lettener in nur eineinhalb Jahren eine größere: Die heutige katholische Kirche Sankt Johannes. Sie wurde 1914 noch vor dem Ersten Weltkrieg eingeweiht und die alte Kirche 1919 schließlich abgebrochen. 

Aber war Lette immer nur katholisch? 

Tatsächlich: Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war Lette fast ausschließlich katholisch. Lette gehört zum Fürstbistum Münster, und das war nach der Reformbewegung und der Täuferzeit in Münster in den Fünfzehnhundertdreißiger Jahren sehr darauf bedacht, die katholische Konfession durchzusetzen. 

Jüdisches Leben ist in Lette bisher in der Forschung nicht nachweisbar – anders als in Coesfeld. Doch auch die jüdische Gemeinde dort bestand nicht kontinuierlich, denn sie war immer wieder engen Beschränkungen, Verfolgung, Vertreibung und mörderischen Pogromen ausgesetzt. 

In Lette gibt es die Jodenstraße. Sie wurde vermutlich deshalb so genannt, weil sie von jüdischen Händlern genutzt wurde. Eine Ansiedlung gab es dort wohl nicht. Es dürfte eine volkstümliche Bezeichnung sein. 

Gab es denn Protestanten? Ja, aber wohl nur wenige – bis zur Nachkriegszeit. Denn nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostprovinzen in den Kreis Coesfeld, vor allem aus Schlesien. Viele von ihnen waren evangelisch. Und damit stieg der Anteil der Protestanten so rasant, dass in Lette eine evangelische Gemeinde entstand. 1962 bekam sie ihre eigene Kirche: Santa Maria Magdalena. 2014 wurde sie wegen stark gesunkener Mitgliederzahlen wieder abgebrochen. Nur der Glockenturm steht noch im heutigen Magdalenen-Wohnquartier. 

Und in diesem Glockenturm hat man eine Glocke gefunden, die uns im nächsten Kapitel große Rätsel aufgibt. Sie steht gegenüber.