Station: [20] Schlafzimmer der Fürstin
Nun sind Sie in den Räumen der fürstlichen Wohnung angekommen. Fürst Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen, ein Vetter von Kaiser Wilhelm dem Ersten, ließ sie hier auf dem Stammsitz der Familie für sich und seine Gemahlin Josephine von Baden einrichten.
Sie befinden sich jetzt im Schlafzimmer der Fürstin. Den Raum haben Sie durch eine Tapetentür betreten. Der Zugang zum kleinen Personaltreppenhaus war hier im Schlafzimmer also fast unsichtbar.
Die Tür auf der linken Seite führt in die sogenannte Passage. Dieser Verbindungsraum stellte den Weg zum Zimmer der Kammerfrau her. Eine ähnliche Lösung haben Sie schon in der königlichen Wohnung gesehen.
Nach der Restaurierung erhielt der Raum eine moderne Tapete. Sie nimmt den ursprünglichen Farbklang wieder auf: dunkelblau und Gold. Die originale Tapete ist leider nur in Resten erhalten. Doch im Archiv haben sich Schablonen bewahrt. Sie zeigen das frühere Muster aus goldenen Blumen und Blattranken.
Die beiden Porträts in diesem Raum lenken den Blick auf das fürstliche Paar. Sie zeigen Fürst Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen und Fürstin Josephine. Gemalt wurden sie von Heinrich von Angeli, einem bedeutenden Gesellschaftsmaler.
Karl Anton wurde 1811 als zweites Kind des Erbprinzenpaares Karl und Antoinette von Hohenzollern-Sigmaringen in Schloss Krauchenwies geboren.
Politisch begann für ihn eine entscheidende Zeit mit der Deutschen Revolution von 1848. Von Frankreich ausgehend kam es auch im Deutschen Bund zu Unruhen. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der herrschenden Ordnung und der politischen Repression entlud sich in der Märzrevolution. Die Revolutionäre strebten demokratische Reformen und die nationale Einigung der Fürstentümer des Deutschen Bundes an.
Auch im kleinen Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen regte sich Widerstand. Karl Antons Vater, der regierende Fürst Karl, war über die revolutionäre Haltung seiner Untertanen enttäuscht und trat selbst zugunsten seines liberaleren Sohnes zurück. Doch die Bewegung radikalisierte sich weiter. Der neue Fürst musste sein Fürstentum sogar zeitweise verlassen.
Hilfe kam im Sommer 1849 von der preußischen Verwandtschaft. Preußische Truppen besetzten im Zuge der Gegenrevolution das Fürstentum Hohenzollern. Am 7. Dezember 1849 dankte Karl Anton als Landesfürst ab. Durch die Erbregelung wurde Hohenzollern-Sigmaringen in Preußen eingegliedert.
Karl Anton blieb jedoch Titularfürst des schwäbischen Teils der Hohenzollern. Zunächst trat er in den preußischen Militärdienst ein und verließ mit seiner Familie die Hohenzollerischen Lande. Dank seiner freundschaftlichen Beziehungen zu Prinz Wilhelm von Preußen, dem späteren Kaiser Wilhelm dem Ersten, erhielt er 1858 das Präsidium des Staatsministeriums in Preußen und damit das Amt des Ministerpräsidenten. Kurz darauf übernahm Otto von Bismarck das Amt.
So verbindet dieser Raum höfische Wohnkultur mit einer Lebensgeschichte, die weit über die privaten Gemächer hinaus in die große Politik des 19. Jahrhunderts führt.

