Station: [21] Boudoir der Fürstin


Sie befinden sich im Boudoir der Fürstin.

Ein Boudoir ist ein elegantes, nicht öffentliches Zimmer. Ursprünglich war es den Damen vorbehalten. Hier zog man sich zur Morgentoilette zurück, zur Mittagsruhe oder für private Gespräche. Diese Raumform setzte sich im Rokoko durch. Auch im 19. Jahrhundert richtete man solche Zimmer noch auf diese Weise ein.

Der Hauptraum ist durch eine Draperie aus gelb-lila Seidenstoff getrennt. Er ist mit einer Chaiselongue und einer halbrunden Sofabank ausgestattet. Gerade diese ungewöhnliche Farbgebung macht den Raum besonders. Das Boudoir der Fürstin Josephine zählt deshalb zu den bedeutendsten und exquisitesten Raumschöpfungen des Architekten Stüler auf der Burg Hohenzollern.

Zu diesem Raum gehört auch die Geschichte seiner Bewohnerin. Die Büste von August Wittig aus dem Jahr 1857 zeigt Josephine im Alter von 44 Jahren.

Josephine wurde 1813 in Mannheim geboren. Sie war eine Prinzessin von Baden. Ihre Mutter, Stéphanie Louise de Beauharnais, war eine Adoptivtochter Napoleons. Das war für Josephines arrangierte Hochzeit mit Erbprinz Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen entscheidend. Auch Karl Anton war mütterlicherseits französischer Abstammung.

Zeitgenössische Beschreibungen schildern Josephine als sehr schöne und attraktive Frau. Ihre Ehe wird als glücklich beschrieben. Zugleich galt sie als besorgte Mutter. Die Erziehung ihrer Kinder sah sie als ihre Lebensaufgabe an.

Auf Fremde wirkte Josephine zunächst oft schüchtern und zurückhaltend. Der Grund lag in einem Ohrenleiden, das sie seit ihrer Kindheit hatte. Es führte schließlich zur vollständigen Taubheit. Deshalb verständigte sie sich häufig mit kleinen Zettelchen. Diese Zettel werden bis heute im Staatsarchiv in Sigmaringen aufbewahrt. Vielleicht wirkt dieser stille Austausch auf uns heute ungewöhnlich. Zugleich macht er Josephine sehr greifbar.

Auch in ihrer Freizeit war sie tätig. Sie stellte Tinkturen gegen Pickel und Ausschlag her.

Josephine war sehr religiös. Sie war evangelisch, während die übrigen hohenzollerischen Lande katholisch waren. Auch nach ihrer Hochzeit mit dem katholischen Prinzen Karl Anton hielt sie zunächst an ihrer Konfession fest. Später wechselte sie jedoch zum Katholizismus.