Station: [23] Vorraum der fürstlichen Wohnung


Sie stehen im Vorraum zwischen den Wohnbereichen des Fürsten und der Fürstin.

Von hier aus erreichen Sie beide Apartments. Der Raum trennte die Wohnung des Fürsten von den Wohnräumen der Fürstin. Beide besaßen also eigenständige, voneinander unabhängige Bereiche. Anders als in der königlichen Wohnung gibt es hier keine direkte Verbindung zwischen den beiden Schlafgemächern.

Der einzige bildhauerische Schmuck in diesem Raum steht vor dem Kaminspiegel. Es ist eine Statuette des Erzengels Michael, der den Drachen tötet. Das ist ein klares, kraftvolles Bild. Zugleich bildet es einen auffälligen Gegenpol zu der sonst eher flächigen Raumdekoration.

Das große Gemälde stammt von Gustav Heinrich Eberlein. Es zeigt die Belehnung des Burggrafen Friedrich VI. von Nürnberg mit der Mark Brandenburg. Dieses Ereignis steht im Zusammenhang mit dem Konzil von Konstanz. Im Jahr 1415 verlieh König Sigismund ihm die erbliche Würde des Markgrafen und Kurfürsten von Brandenburg.

Ganz ohne Gegenleistung geschah das allerdings nicht. Sigismund ließ sich diese Belehnung mit 400000 Gulden entlohnen. Für deren Zahlung galt sie als Pfand. Das klingt nüchtern, fast geschäftsmäßig. Und doch zeigt es, wie eng Politik, Macht und Geld hier miteinander verbunden waren.

Warum Sigismund dazu bereit war, wird ebenfalls deutlich. Er hatte die Erfolge Friedrichs gesehen und Vertrauen zu ihm gefasst. Zugleich blieb die Nachfolge im Haus Luxemburg unsicher. Sigismund war der Letzte seiner Dynastie. 1422 wurde deshalb seine Tochter Elisabeth mit dem Habsburger Herzog Albrecht V. von Österreich verheiratet. So erbte das Haus Habsburg die Ansprüche auf die Wahlthrone von Böhmen und Ungarn. Damit war ein Grundstein für seine lange Kaiserherrschaft im Reich gelegt.

Jahrhunderte später standen sich dann die von Sigismund begünstigten Dynastien der Habsburger und Hohenzollern im sogenannten Deutschen Dualismus gegenüber. In diesem Raum begegnen Sie also nicht nur einem historischen Bild. Sie sehen auch einen Moment, dessen Folgen weit über die Zeit des Konzils hinausreichten.