Station: [27] Katholische Michaelskapelle
Die Sankt Michaelskapelle gehört zu den ältesten erhaltenen Teilen der Burg. Wenn Sie sich hier umsehen, stehen Sie im Langhaus und im Chor einer Kapelle, die 1461 geweiht wurde. Diese Bereiche sind Überreste der zweiten mittelalterlichen Anlage. Später wurden sie in den heutigen neugotischen Bau integriert.
Gleich fällt der Blick nach oben und zur Seite. Die hohen bleiverglasten Fenster der spätgotischen Kirche sind älter als dieser Raum. Sie entstanden bereits im späten 13. Jahrhundert. Ursprünglich befanden sie sich in der Klosterkirche in Stetten bei Hechingen. Diese Kirche diente als erste Grablege des Hauses Hohenzollern. Erst im 19. Jahrhundert gelangten die Fenster auf die Burg Hohenzollern.
Die Glasmalereien zählen zu den bedeutendsten Beispielen gotischer Glaskunst in Südwestdeutschland. Schauen Sie besonders auf das Fenster links vor dem Chorraum. Dort verbirgt sich eine kleine Besonderheit. Unten rechts sehen Sie die älteste bekannte Darstellung des Hohenzollernwappens. Ein kleines Detail also, aber eines mit besonderem Gewicht.
Auch die Seitenwände des Chores erzählen von der langen Geschichte dieses Ortes. Dort sind drei Sandsteinreliefs eingelassen. Sie wurden 1823 bei Renovierungsarbeiten im Bauschutt gefunden. Zu sehen sind der Erzengel Michael als Drachentöter, die Anbetung der Könige sowie der Apostel Petrus und der Evangelist Johannes. Kunsthistorisch sind diese Reliefs besonders bedeutsam. Ihr Stil gehört in die Spätromanik des 12. Jahrhunderts. Vermutlich stammen sie aus der Kapelle der ersten Burganlage. So begegnen Ihnen hier gleich mehrere Zeitschichten auf engem Raum.
Die Vorhalle dagegen ist jünger. Sie ist ein Neubau des 19. Jahrhunderts. Dort steht eine spätgotische Skulptur aus Lindenholz. Sie zeigt den Heiligen Georg im Kampf mit dem Drachen. Die Figur stammt aus der Grafschaft Rhäzüns in der Schweiz, die verwandtschaftlich mit dem Haus Hohenzollern verbunden war. Auch hier also setzt sich die Geschichte nicht nur aus Steinen zusammen, sondern aus Beziehungen und Erinnerungen.
Wenn Sie sich nun dem Eingang zuwenden, finden Sie rechts eine Tafel mit den Namen der Männer, die die Belagerung der Burg im Jahr 1423 überlebten. Daneben erinnert eine Marmortafel an die früh verstorbene Königin Stephanie von Portugal aus dem Hause Hohenzollern-Sigmaringen sowie an ihren Bruder Anton, der in der Schlacht bei Königgrätz tödlich verwundet wurde.
Diese Kapelle bewahrt viele Schichten der Vergangenheit. Gerade darin liegt ihre stille, eindrucksvolle Kraft.

