Station: [4] Sechs Tabatieren und ein Einbruch (Nr. 11-13)
Sie sehen hier drei Prunktabatieren Friedrichs des Großen. Ursprünglich waren sie aus Moosachat und Lapislazuli gearbeitet und mit Brillanten besetzt.
Diese kleinen Dosen waren im 18. Jahrhundert ein hochgeschätzter Modeartikel. Man nutzte sie ganz praktisch. Sie bewahrten Pillen auf, Bonbons, Schminke, Schönheitspflästerchen oder auch Schnupf- und Rauchtabak.
Friedrich der Große nutzte solche Döschen vor allem für seinen geliebten Schnupftabak. Er trug immer eine bei sich. Als er 1786 starb, sollen sich in Schloss Sanssouci mehr als 100 mit Brillanten besetzte Dosen befunden haben. Das zeigt, welchen Wert und welche Präsenz diese kleinen Objekte in seinem Alltag hatten.
Die Geschichte der hier gezeigten Stücke ist allerdings nicht nur glanzvoll. Sie ist auch dramatisch. Bis 1953 befanden sich sechs von Friedrichs Prunktabatieren auf der Burg Hohenzollern. Dann kam es zu einem Einbruch. Die sechs Dosen wurden entwendet und unwiederbringlich zerstört.
Der Tathergang liest sich fast wie ein Kriminalroman. In einer nebligen Nacht machte sich ein Mann namens Paul Falk mit einer gestohlenen Leiter durch den Wald auf den Weg zur Burg. Mit dieser Leiter überwand er still und unbemerkt die Burgmauern. Dann durchtrennte er mit einem Bolzenschneider die Metallstäbe am Fenster der Schatzkammer. Durch die Öffnung stieg er in die Schatzkammer ein.
Dort machte er reiche Beute. Er nahm Teller aus schlesischem Gold, Orden und Pokale, Tabatieren von Friedrich dem Großen und sogar den Marschallstab des Kaisers mit. Die Krone jedoch blieb, zum Erstaunen aller, zurück.
Überführt wurde Paul Falk später durch eben diesen Bolzenschneider. Kinder fanden ihn beim Spielen im Wald. Doch da war es für die meisten Objekte bereits zu spät. Sie waren schon eingeschmolzen oder spurlos verschwunden.
Glücklicherweise ließ sich wenigstens ein Teil retten. Von drei der sechs Tabatieren konnten Goldmontierungen mit teilweise originalem Steinbesatz wiederaufgefunden werden. Sie wurden im Ansatz wiederhergestellt. Diese Stücke sehen Sie hier unter den Nummern 11 bis 13.
So stehen vor Ihnen heute nicht nur kostbare Tabatieren, sondern auch stille Zeugen einer ebenso prachtvollen wie verlustreichen Geschichte.

