Station: [7] Attentat auf den Kaiser (Nr. 45)
Vor Ihnen sehen Sie einen Kristallanhänger mit Schrotkugeln. Das Stück wirkt unscheinbar. Für Wilhelm den Ersten hatte es jedoch eine sehr persönliche Bedeutung.
Der Anhänger erinnert an ein Attentat auf den Kaiser am 2. Juni 1878. Es war bereits das dritte Attentat auf ihn. An einem Sonntag fuhr der 81-jährige Kaiser in einer offenen Kutsche über den Berliner Boulevard Unter den Linden. Dort trafen ihn Schrotkugeln an Kopf, Arm und Rücken.
Geschossen hatte der Landwirt Karl Nobiling. Er galt als geistig verwirrt. Er feuerte aus dem Fenster eines Hauses. Dabei benutzte er eine Doppelladung Schrot.
Dass Wilhelm den Anschlag überlebte, hatte sehr handfeste Gründe. Der dicke Mantel, den er an diesem Tag über seiner Uniform trug, schützte ihn. Auch die Pickelhaube bewahrte ihn vor dem Tod. So blieb dieses Attentat nicht das Ende eines Kaisers, sondern wurde zu einem Ereignis mit politischen Folgen.
Otto von Bismarck wusste auch dieses Attentat für sich zu nutzen. Der Reichstag wurde aufgelöst. Am 30. Juli 1878 wurde neu gewählt. Diese Wahl ging als Attentatswahl in die Geschichte ein.
Gerade deshalb ist dieses kleine Objekt so bemerkenswert. Es erzählt nicht nur von einem Angriff auf eine Person. Es führt auch vor Augen, wie eng persönliches Schicksal und Politik hier zusammenlagen. In diesem stillen Anhänger steckt also weit mehr, als man auf den ersten Blick vermutet.

