Station: [26] Braille-Garten


Erzählerin:

Das ist unser Braille-Garten: Hier darfst Du alle Pflanzen anfassen, wie sie sich anfühlen. Und sogar mal ein Blatt probieren, wie es schmeckt. Der Name Braille-Garten hat aber nichts mit Brei zu tun. Er ist nach dem Franzosen Louis Braille (überbetont französisch aussprechen) benannt. Der war der Erfinder der Blindenschrift. Wenn Du auf die Schilder schaust, siehst Du die erhöhten dunklen Punkte unter den Bezeichnungen. Fahr einmal mit den Fingerkuppen darüber. Die Braille-Schrift wird nicht mit den Augen gelesen, sondern mit den Fingern ertastet. Jeder Buchstabe des Alphabets entspricht einer bestimmten Anordnung von Punkten. Zugrunde liegt ein Schema von zwei Dreierreihen mit Punkten, wie die 6 auf einem Würfel. Für jeden Buchstaben werden davon einer oder mehrere Punkte weggelassen. Ein einzelner Punkt links oben steht zum Beispiel für das A, 5 Punkte bis auf den in der linken oberen Ecke stehen für ST. Vergleiche doch einmal eine Bezeichnung mit der darunter stehenden Blindenschrift und versuche, Buchstaben zu identifizieren.

Wie kam Louis Braille auf diese Idee? Als Dreijähriger hatte er sich in der Werkstatt seines Vaters schwer am Auge verletzt. Die Wunde entzündete sich und er wurde blind. Er musste sich immer alles vorlesen lassen. Das störte ihn sehr. So erfand er eine eigene Schrift. Als er damit begann, war er gerade einmal 11 Jahre alt. Er tüftelte fünf Jahre lang, dann war seine Blindenschrift fertig.

Foto: © Stiftung Kloster Jerichow