Station: [3] Gang zum Heimatmuseum Fundamentbogen


Sie stehen vor einem Fundamentbogen aus dem Jahr 1860, der beim Abbruch eines Bauernhauses in Stengelheim, einem Nachbarort von Karlshuld, für unser Museum geborgen werden konnte. Dahinter steht eine Geschichte, die nur das Moor zu schreiben weiß. 

Moor ist ein schlechter Baugrund. Daher bauten die ersten Siedler ihre Häuser aus Holz, denn die Fachwerk- und Blockbauten blieben auf dem weichen Grund stabil. Allerdings faulte das Holz auf dem feuchten Torf, sodass die ersten Häuser kaum 100 Jahre alt wurden. Leichte Ziegelhäuser mit dünnen Wänden lösten die Holzbauweise ab. 

In Stengelheim, wo die Torfschicht nur 2,5 Meter dick war, konnte man gemauerte Häuser auf Pfeiler setzen. Die Bauleute stachen rechteckige Löcher aus dem Torf bis zum festen Grund und setzten Mauerpfeiler aus Bruchsteinen hinein. Der Steinbogen hier zeigt, dass diese Pfeiler nicht einmal vermauert waren. 

Übrigens – der Zementmörtel, den Sie sehen, wurde erst nachträglich bei der Bergung aufgetragen. 

Die Bauleute verbanden dann die unvermauerten Pfeiler mit gemauerten Steinbögen. Diese Arkadenbögen bildeten dann das Fundament, auf dem die Bauernhäuser standen. Nach 1850 ging man dazu über, Ziegelhäuser mit dünnen Wänden direkt auf den Moorboden zu bauen. Die Häuser waren ein Stockwerk hoch, der Dachstuhl mit den Dachziegeln drückte von oben auf die Mauern und stabilisierte so das Gemäuer. Diese leichten Steinhäuser saßen auf dem Torfkörper wie auf einem Schwamm fuhr ein schweres Pferdefuhrwerk vorbei, zitterte der Untergrund so stark, dass die Kaffeetassen in den Schränken so laut klapperten wie die Pferdehufe auf der Straße.