Station: [18] Hugenottische Gottesdienste


Eine Sanduhr wie diese, gehörte früher zur festen Ausstattung vieler reformierter Kirchen. Die Uhr hieß auch Kanzeluhr, da sie an der Kanzel angebracht war, und so der Pfarrer die Dauer seiner Predigt genau im Blick hatte. Ansonsten kamen die reformierten Gemeinden mit wenigen Gerätschaften aus. Nur die Bibel und Psalmengesangbücher waren fester Bestandteil und gehörten zu jedem Gottesdienst dazu. Natürlich besaßen die Kirchengemeinden auch Kelche und Kannen sowie Brotteller für die Feier des heiligen Abendmahls. 
Für die geflohenen Hugenotten war der gemeinsame reformierte Glaube das wichtigste Bindeglied in ihrer neuen Heimat. Nach Jahrhunderten der Verfolgung war es ihnen im Zufluchtsland das erst mal möglich, völlig frei und ohne Angst ihrer Religion nachzugehen.
Dabei lebten die Hugenotten in den neuen Gemeinden nach alter Tradition und den Grundsätzen der hugenottischen Kirchenordnung. 
Wie in Frankreich wurden bei der Neugründung der Gemeinden zuerst der Pfarrer, die Kirchenältesten und die Diakone von den Gemeindemitgliedern gewählt. Bischöfe gab es bei den Hugenotten nicht, jede Kirchengemeinde war selbstverwaltet. 
Auch die christlichen Feiertage wurden genau so begangen, wie es bereits in Frankreich brauch war, und wie es in der Bibel steht. Als religiöse Feste gibt es bei den Hugenotten nur Weihnachten, Ostern und Pfingsten.
Der Gottesdienst ist ebenfalls durch die Kirchenordnung genau geregelt. Die Lesung aus der Bibel steht dabei im Zentrum. Neu komponierte Kirchenlieder haben die Hugenotten nicht. Zugelassen ist zunächst nur der einstimmige Gesang der Psalmen, so wie sie in der Bibel stehen. Und selbst die Orgelmusik ist nach der alten Kirchenordnung verboten.
Gepredigt und gesungen wurde übrigens weiterhin auf Französisch. Auch hier blieb man mit seiner Herkunft verbunden.
Viermal im Jahr feierten die Hugenotten das Abendmahl mit richtigem Brot und Wein. Dabei entschieden die Kirchenältesten, welche Gemeindemitglieder am Abendmahl teilnehmen durften. Sünder waren nicht zugelassen. Die ausgestellten silbernen Medaillen, die Méreaux waren die Eintrittskarten zum Abendmahl. Nur wer ein Méreau vom Kirchenältesten erhalten hat, war beim Abendmahl willkommen. 
Allez en paix et souvenez-vous des pauvres – Gehet in Frieden und vergesst die Armen nicht. Mit diesem Satz verabschiedete der Pfarrer die Gemeinde nach jedem Gottesdienst. Die Nächstenliebe ist eine wichtige Säule des reformierten Glaubens. Die Diakonie der Hugenotten leistet besonders bei der Pflege von Alten und Kranken große Dienste. In Berlin wurde bereits im Jahr 1686 das Französische Hospital als Stiftung der Hugenotten gegründet. Später kamen das französische Waisenhaus und die Ecole de Charité als diakonische Hugenotteneinrichtungen dazu. 

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