Station: [1] GESAMMELT: Anna Maria Hirt verzweifelt manchmal über ihren Ehemann Fidel
Der Fidel ist schon ein guter Mann. Er kann alles reparieren. Wer kann das schon von sich behaupten? Er ist Uhrmacher von Beruf und interessiert sich natürlich für alles, was sich bewegt, dreht, tickt und klickt. Seit er die Stelle als Gerichtsdiener hat und wir im Alten Rathaus in zwei Zimmern wohnen, ist noch eine weitere Leidenschaft dazugekommen: das Sammeln. Im Alten Rathaus und auf den Dachböden der anderen städtischen Gebäude, um die er sich kümmert, liegt so viel alter Kruscht herum, dass er mir von morgens bis abends davon erzählt. Hinzu kommt, dass jetzt ständig irgendwo gebaut und gegraben wird, neue Straßen, die Eisenbahn oder die Sache mit der Brigachkorrektur. Es entsteht ja gerade so viel Neues! Wer steht mit seiner Nasenspitze vornedran? Mein Fidel! Und alles, was er da so findet, schleppt er nach Hause. In unsere zwei Zimmer. Ich hab ihm gesagt, so geht das nicht weiter. Ich kann ja gar nicht mehr putzen. Alles ist vollgestellt. Ich musste ihn vor die Entscheidung stellen: Der Kruscht oder ich! Nun hat er dem Stadtrat eine Liste geschickt, und ich hoffe sehr, dass die Räte die Sachen kaufen. Es soll nämlich bald ein Museum in Villingen geben. Das wäre doch ideal, da könnte der Fidel die Sachen weiter ansehen und andere Leute auch.
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