Station: [11] STOLZ: Gräfin Reischach verliebt sich in einen Hund, vor 1850
Eines Nachts hatte der Großpudel unseres Jägers geworfen. Unter den sieben einfarbigen Welpen lag einer mit schwarz-weißen Flecken. Ich schloss ihn sofort ins Herz, diesen kleinen Harlekinpudel. Ich nannte ihn "Posto". Nach der Entwöhnung von der Mutter nahm ich ihn als Geschenk für meine Kinder mit auf das Schloss. Posto war ein überaus quirliger, aber gutmütiger und treuer Hund. Die Kinder trieben ihre Späße mit ihm und liebten es, ihn zum Tanzen zu animieren. Er hatte ein schönes, feines und weiches Fell. Sein ganzes Wesen war mir so lieb, das wollte ich festhalten. Aus England war die Mode der Tiermalerei bis zu uns an den Bodensee vorgedrungen: stolze Pferde, aber auch rassige Hunde gab es da zu sehen. Ich bat einen hiesigen Maler, den mein Mann, Freiherr von Reischach, kannte, um ein Bild. Ich hatte mir vorgestellt, dass er das Tier in seiner ganzen Erscheinung festhält, sagte aber wohl: "Malen Sie mir ein Porträt von Posto". Heraus kam ein Brustbild, also nur ein halber Hund. Der arme Mann konnte sich unter einem Porträt wohl nichts Anderes denken.
Foto: visual artwork

