Station: [15] ZÜNFTIG: Hans Kraut, Hafner, blickt um 1590 auf sein Leben zurück


Dass mir der Erzherzog mal ein eigenes Wappen verleihen würde … mit Büffeln, aus deren Maul drei Kräutlein hängen. Meint wohl meinen Namen: "Johann Kraut". Und das nur wegen eines "güldenen" Ofens in Wien. Alles ist eitel, zumal in der Hauptstadt: ein Gelaufe und Gerenne von Manns- und Weibspersonen, hübsch ausstaffiert, hohe Häuser, - da kam ich damals ins Staunen. Als Kind spielte ich mit Dreck, - gab´s überall. Kleine Figürchen formte ich daraus. Da hab ich mir das passend Handwerk gewählt. Weg von daheim, von Spaichingen in die Welt. Erst einmal nach Villingen mit seinen Hafner-Leut, die machen Häfen, Krüg und Öfen. Dort war auch guter Ton in Fülle, den braucht´s. Aber mich zog´s weiter, wollte das Geheimnis lernen, prächtger Farben und neuer Glasuren. In Salzburg fand ich einen Meister, der´s mich lehrte. Ich blieb nicht lang. Dann lockte mich die alte Stadt, Villingen, mit einem Haus in der Löwengasse. Ward Bürger allhie, saß auch im Rat, die Leute schätzten mich. Über dem Türsturz ließ ich eine Kachel ein, so sah man gleich, was ich kann: Öfen sind in einer kalten Gegend kein Überfluss. Edle Leute, Klöster und Ratsherren begehrten meine Ware. So fand ich Auskommen und später noch meine Söhne, Kaspar und Jakob.

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