Station: [21] AUSGEGRABEN: Paul Revellio, Museumsleiter (1921-1966), erklärt seine Liebe zu Archäologie und Geschichte


Bin auf dem Weg zum Katheder. Jeden Tag die gleiche Leier vor den Buben. Hab mir meine Stunden wohlweislich zurechtgelegt – wer über die Jahre das Gleiche lehrt, hat den Kopf frei für die wahre Arbeit.

1914, beim Deutschen Archäologischen Institut in Frankfurt, da durfte ich erstmals echte wissenschaftliche Luft atmen und mir meine Sporen verdienen. Jahre im Feld, Jahre des Wartens auf das bittere Ende. Zurück in Villingen wurd ich 1919 Lehrer am Gymnasium. 

Meine Leidenschaft für alles, was mit Geschichte zu tun hat, trug Früchte: Seit 1921 bin ich nun Kustos der städtischen Altertümersammlung. Das versteht nicht jeder, denkt Geschichte sei so was Verstaubtes in alten Büchern. Aber ich sage Ihnen: Sie liegt unter unseren Füßen!

Schaut zum Blutrain am Steppach. Als sie dort für die neue Schienenführung den Hang aufbrachen, was für ein Jammer! Das ist doch nicht nur Erde, das ist unser Ursprung, der Boden unserer Vorfahren! Vierzig Gräber und die Reste der alten Siedlung hingen plötzlich wie dunkle Schatten im Profil der Wand, kurz vor dem Abgrund. Während die Loren ratterten und bevor das Kostbarste einfach als Schutt abtransportiert wurde, bin ich selbst in den Abraum gestiegen. Hab im Dreck gewühlt, um Schwerter und Schmuck zu retten. 

Und wenn einer kommt, der ernsthaft forscht, dem kram ich auch die Urkunden hervor. Transkribieren ist ein mühsam' Brot, Zeile für Zeile das alte Gekritzel entziffern – aber ich tu´s gern. 

Foto: Franziskanermuseum