Station: [23] TONANGEBEND: Witwe Seemann wohnt im Hans-Kraut-Haus und schenkt um 1882 das Herterhorn
Wir leben nun schon einige Jahre in diesem Haus. Es gehörte einst dem berühmten Hans Kraut. Er war ein Töpfer. Alle Welt ist heute scharf auf seine Kacheln. Wir sitzen auf diesem Schatz, - Böden, Wände, alles ist verfüllt mit Kachelbruch. Wir konnten schon manches Stück teuer verkaufen. Man versteht es nicht, - sind doch nur Scherben! Nun haben wir unser so genanntes Familienheiligtum in die Altertümersammlung gegeben: Das Herterhorn, das der letzte Hirte von Großvieh, unser Vorfahr, Nikolaus Seemann, gespielt hat. Das ist eine wirkliche Kostbarkeit, erinnert es doch an ein Gelübde aufgrund einer abgewehrten Viehseuche im 18. Jahrhundert. Die Villinger lebten ja von alters her auch vom und mit dem Vieh, ließen es morgens auf die Allmend treiben, abends zurück, vom Herter, der auf diesem einfachen Instrument einen Lockruf spielte, den Kuhreihen. Weil das Vieh unser aller Vermögen war, musste es geschützt werden, daher das Gelübde: Geht die Seuche an Villingen vorbei, soll von da an jedes Jahr in der Christnacht das Herterhorn gespielt werden. Und so geschah´s.
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