Station: [3] ABGESCHOTTET: Der Ziegler des "Romäus-Ziegels", um 1600, erzählt uns seine Geschichte


Was? Romäus? Die Leute meinen wirklich, das sei Romäus? Hahaha! Es muss immer gleich der große Landsknecht sein, der ach-so-tapfere Held der Stadt. Als ob wir andern nicht auch unseren Mann gestanden hätten. Sehen Sie nur mich an – meinen Sie, ich sei bloß ein Ziegler gewesen? Wenn es ernst wurde in Villingen, wie damals in den Kriegsjahren, da mussten wir von der Bauleutezunft auch raus auf die Mauer. Da war mancher froh, wenn einer die Hellebarde ordentlich zu führen wusste. Und ich verstand was davon, das kann ich wohl sagen, hab dafür ja auch doppelten Sold bekommen. Wenn's festlich wurde, zog ich gern meine feine Zunfttracht an: buntes Wams, weite Hosen – das stand mir gut, fand ich. Und da kam mir eines Abends ein Einfall. Ehe ich den letzten Satz Ziegel für das Dach der Spitalscheuer in den Brand gab, ritzte ich mein Ebenbild in den weichen Ton: geschniegelt, in meiner Tracht, mit der Hellebarde in der Hand. Ein kleiner Scherz war’s, weiter nichts. Hab' später manchmal überlegt, ob den wohl mal einer bemerken würde. Aber dass die Leute daraus hunderte Jahre später den Romäus machen – nein, das hätte ich beim besten Willen nicht gedacht.

Foto: Franziskanermuseum