Station: [6] AUFGESCHLOSSEN: Karl Kratt (1910-2004), Werkzeugmacher, sammelt aus Leidenschaft
Wenn ich zurückschaue auf 94 Lebensjahre, bin ich zufrieden. Als "Jonger" kann man sich das gar nicht vorstellen. Da dachte ich, ich könnte die Welt verändern, interessierte mich für andere Systeme und Sprachen – dabei war ich nur ein Werkzeugmacher. Da sagte mancher: "Oh, Krattekarle, was häsch do widder für a sauberi Idee?". Aber als dann die russischen "Fremdarbeiterinnen" zur SABA kamen, war klar, dass ich mich kümmerte: "Du kannst doch russisch". Und keiner ahnte ja, was ich da in der Eisenbahn von der Schweiz nach Deutschland schmuggelte, war nur dünnes Papier, bedrucktes, aber höchst gefährlich, da klopfte mir das widerständige Herz bis zum Hals, wenn die Grenzpolizisten die Gepäcknetze kontrollierten. Ist vorbei, geht meine Nachbarn hier im Riet auch nichts an. In der Nachkriegszeit habe ich dann die Esperanto-Gruppe wiederbelebt. Auch so eine Idee: eine Sprache, mit der man sich überall auf der Welt verständigen kann. War nützlich auf meinen Reisen nach China, Russland und Neuseeland. Mit 50, in der Lebensmitte, begann ich dann Schlösser und Schlüssel zu sammeln. Das hat mich begeistert und hörte nicht wieder auf, selbst als ich die Sammlung schon verkauft hatte.
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