Station: [8] ANGEEIGNET: Joseph Riegger, Soldat, schildert seine Zeit in Tsingtau, um 1910


Ach, wie jung wir auf dem Foto aussehen! Ich weiß es noch gut – damals war ich Schiffsartillerist in Tsingtau. Als ich dorthin versetzt wurde, war ich zuerst stolz. China – das klang nach weiter Welt und Abenteuer. In Bremerhaven wurden wir noch mit Hurra verabschiedet, dann ging's auf den Dampfer, und fast sieben Wochen waren wir unterwegs nach Ostasien. Der Dienst dort aber war oft eintönig. Wir standen an den Geschützen, hielten Wache und übten für den Ernstfall. Bisweilen spazierten wir durch die breiten, neuen Straßen in den deutschen Vierteln. Gleich daneben lagen die chinesischen Gassen mit Läden, Werkstätten und dichtem Gedränge. Manche grüßten höflich oder handelten mit uns, andere sahen uns kühl an. Man merkte schon, dass wir nicht überall willkommen waren. Wir taten, als stünde uns die Welt offen, aber mich beschlich nach und nach ein ungutes Gefühl. Mein Heimweh nach Villingen wurde immer stärker – nach dem guten Bier in der Blume-Post und dem wilden Treiben der Fastnacht… Keiner von uns ahnte damals, dass bald der große Krieg kommen würde. Am Ende waren wir wohl alle nur kleine Leute in einem Spiel, das andere bestimmten…

Foto: Franziskanermuseum