Station: [13] Das triadische Ballett

  • Theatermuseum Düsseldorf - Stiftung Dumont-Lindemann

Das Triadische Ballett, das mit dem Heiteren kokettiert, ohne der Groteske zu verfallen, das Konventionelle streift, ohne mit dessen Niederungen zu buhlen, zuletzt Entmaterialisierung der Körper erstrebt, ohne sich okkultisch zu sanieren, soll die Anfänge zeigen, daraus sich ein deutsches Ballett entwickeln könnte...

Oskar Schlemmer 1922

Das triadische Ballett von Oskar Schlemmer ist sein berühmtestes Bühnenwerk und das, welches am meisten mit der Bauhausbühne verbunden wird, wiewohl es schon vor Schlemmers Bauhausarbeit in Stuttgart kreiert wurde.

Drei Grundsätze leiteten die Neufassung des THEATERs DER KLÄNGE 2014/15:

Es ging nicht darum, die Neuschaffung der Schlemmerschen Figurinen möglichst starr an den gezeichneten Entwürfen zu orientieren. Vielmehr sollten die fotografisch dokumentierten Figurinenrealisationen Vorbild sein für eine Neuschaffung mit heutigen Materialien. Die von den Schlemmers (Oskar, seiner Frau Tut und seinem Bruder Carl) Anfang der 1920er Jahre realisierten Figurinen sind wesentlich freier und beweglicher, als dies der grafische Entwurf vermuten lässt. Die Starrheit der Figurinen begrenzt sich auf die „Kascheur-Teile“, also beim „Rundrock“ z.B. auf den großen Rundrock und den Hut oder beim „Zylindermann“ auf den Zylindertorso und den Glockenrock der Partnerin in diesem Duett. Betrachtet man die Fotografien detailliert, erkennt man, dass immer nur bestimmte Teile starr, „kaschiert“ ausgeführt wurden, der Großteil des jeweiligen Figurinenkostüms aber aus Trikotstoffen (z.T. wattiert), wattierten Westen und Strumpfhosen bestand. Dies legt nahe, dass die ausführenden Tänzer ein Spiel zwischen Flexibilität und Starrheit bestimmter Teile des Körpers finden mussten.

Die Anlage eines heiter-burlesken, eines festlich-getragenen und eines erhaben-heroischen Akts sollte ernst genommen werden, was sowohl Humor impliziert, als eben auch Seriösität und Überzeichnung in eine „magisch-mystische Wirkung“. Unsere Neufassung betont das „rheinische Erbe“ Schlemmers in Form von Humor bis hin zur Parodie des zweiten Akts, in dem die vermeintlich seriösen „Weißen Tänzer“ und das Trio „Türken und Kugelrock“ dadurch konterkariert werden, dass im Trio die Geschlechterrollen umgekehrt werden und „Die weißen Tänzer“ zur Parodie der Ernsthaftigkeit von klassischem Tanz werden.

Schlemmers Musik behauptete nie, Avantgarde zu sein, und selbst die vom zeitgenössischen Komponisten Hindemith 1926 für einige Szenen des Triadischen Balletts komponierte Musik war Schlemmer zum Teil zu untänzerisch. Der heutige Umgang mit Tanzmusik in der Neuen Musik muss nicht mehr unter Beweis stellen „bislang ungehört“ zu sein oder „Erwartungen zu negieren“. Im Gegenteil: Ein intelligenter Umgang mit den Möglichkeiten von Tanzmusik knüpft da an, wo Schlemmer schon gesucht hat, wenn er Musik für seine Aufführungen zusammenstellte: Das, was passt, ist mit relativ einfachem Aufwand in kleiner Besetzung vom Blatt spielbar und setzt moderne Kompositionstechniken da ein, wo sie für bestimmte Wirkungen und Tanzrhythmen sowie Cues gebraucht werden. Dabei ist dies aber keine bunt gemischte Zusammenstellung von verfügbaren Stücken, sondern eine eigenständige Komposition für ein Trio-Live-Ensemble (Klavier, Cello, Schlagzeug – Komposition: Thomas Wansing).

Sprecherin: Katja Nielsen

Oskar Schlemmer: Frieder Langenberger

Editing + Mischung: Finn Timo Tödte