Station: [16] Das Lackballett

  • Theatermuseum Düsseldorf - Stiftung Dumont-Lindemann

Das Fest ist verrauscht. Das Tänzchen „Reigen in Lack“ dauerte etwas mehr als drei Minuten, nach einer Sarabande von Händel, langsam und getragen. Sechs Damen, jede ein anderes Kostüm aus Glaskugeln, Bierdeckeln, Pappformen etc. Sie machten es recht und schlecht. Mehr wäre gar nicht möglich gewesen. Der Reigen gefiel Dr. Herberts sehr; er wünschte daß die Kostüme erhalten bleiben, um gelegentlich nochmals gezeigt zu werden. Auch in der Zeitung genannt: „von eigenartigem Reiz“. Die Gebildeten waren sehr angetan, der einfache Mann fragt: „Was soll das bedeuten?“ Aber das ist das Schicksal solcher Dinge.

Aus „Oskar Schlemmer: Briefe und Tagebücher“

Der vormalige Bauhausmeister Oskar Schlemmer entwarf als letztes Bühnenwerk 1941 in geschütztem Rahmen in den Farbwerken Herberts Wuppertal – da er seinerzeit als sogenannter „entarteter Künstler“ galt – ein Lackballett. Es wurde einmal – am 6. Dezember 1941 in Wuppertal im Rahmen eines Festes der Farbwerke, die ihn damals als künstlerischen Mitarbeiter und Ausbilder für Lackexperimente beschäftigten – aufgeführt und bis 2019 nicht wieder aufgegriffen.

Das THEATER DER KLÄNGE nahm die Jubiläums-Aktivitäten zu „100 Jahre Bauhaus“ für das Jahr 2019 zum Anlass, sich mit dieser „rheinisch-bergischen“ Arbeit von Oskar Schlemmer auseinanderzusetzen und die Idee zeitgenössisch in neuer Gestalt weiter- und 77 Jahre später erstmalig öffentlich aufzuführen. Zum Einen wurden die von Oskar Schlemmer entworfenen und realisierten Figurinen neu interpretiert. Bei der Neuinterpretation des THEATERs DER KLÄNGE ging es vor allem um eine Material- und Farbinterpretation, da das Thema Lack 2018/19 andere Antworten ermöglichte, als noch in den 1940er Jahren.