Station: [17] Siegburger Keramik als Massenware

  • Stadtmuseum Siegburg

Der Weg in diesen Raum hat Sie durch einen Töpferofen geführt. Es handelt sich um eine Rekonstruktion im Maßstab 1 : 1 nach einem Grabungsbefund aus dem Jahr 1953. Der Ofen wurde in der Siegburger Töpfervorstand Aulgasse, wo sämtliche Siegburger Töpfer ihre Werkstatt hatten, ausgegraben. Mit fünf Metern Länge und knapp vier Metern Breite war er im 14. Jahrhundert, in dem er wohl entstanden ist, von mittlerer Größe. Insbesondere die Öfen des 16. Jahrhunderts konnten bis zu 10 Meter lang sein und annähernd 10.000 Gefäße fassen. Solche Öfen hatten keine Türen. Sie wurden vielmehr zugemauert, nachdem sie einmal mit Keramik gefüllt waren. Die beiden Öffnungen, die Sie in dem nachgebauten Ofen erkennen können, sind auf der einen Seite das Loch, durch das befeuert wurde, und auf der anderen Seite der Abzug. Das wirtschaftliche Risiko eines solchen Brandes war hoch. Ging etwas schief, explodierte der Ofen gar, dann war die Arbeit von Monaten dahin. Die Größe der Öfen macht auch klar, warum die Töpfer nicht innerhalb der Stadtmauern geduldet wurden. Ihr Gewerbe war extrem feuergefährlich. Die große Vitrine an der Stirnwand dieses Raumes soll augenfällig machen, dass insbesondere die einfache Gebrauchskeramik im Mittelalter Massenware war - man könnte vom "Plastik des Mittelalters" sprechen. Porzellan gab es noch nicht. MetalIgefäße oder gar Glas waren nur für die reichen Leute. Die anderen mussten Holz oder eben Ton nehmen. Die Rheinische Keramik war so weit verbreitet und so stilbildend, dass sie auf zahlreichen mittelalterlichen Gemälden und auch in der Malerei der niederländischen Renaissance abgebildet ist. Wo immer sich Alltagszenen finden, da findet sich auch Siegburger Keramik.