Station: [102] Rathaus

  • Museum Bürgstadt

Über dem Haupteingangstor des von 1590 bis 1592 errichteten Renaissancebaus ist  eine  Inschriftentafel aus Sandstein eingelassen, die auch einen Hinweis auf die Finanzierung dieses repräsentativen Neubaus durch die Gemeinde enthält: „war ein heisser sommer heuer, wuchs guter wein sehr teuer“. Das heißt, die Einnahmen aus dem Weinanbau und Weinhandel ermöglichten der Gemeinde den Rathausneubau. Es war wohl die klimatisch bedingte Blütezeit des Weinbaus in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, welches die Finanzierung dieses und anderer Bauvorhaben ermöglichte.

Charakteristisch für das Rathaus sind das hohe Erdgeschoss, die ausgeprägten Gesimse, die besonders schwungvollen Volutengiebel und die Sandsteinumrahmungen sämtlicher Fenster- und Türöffnungen. Die Öffnungen im Erdgeschoss sind alle als Rundbögen gearbeitet, während im Obergeschoss die für die Renaissance typischen zweigeteilten Fenster mit Mittelgewände dominieren.

Die Gewölbehalle des Erdgeschosses besitzt zwei gegenüberliegende Tore, sodass eine  Durchfahrtsmöglichkeit für Fuhrwerke bestand, die landwirtschaftliche Erzeugnisse als Naturalabgaben für die Obrigkeit anlieferten. Nach der Verleihung des Marktrechtes an Bürgstadt  durch den Mainzer Erzbischof Johann Philipp von Schönborn im Jahr 1661 wurde die Gewölbehalle auch als Markthalle genutzt.

Der eigentliche Verwaltungsbereich des Rathauses befand sich im Obergeschoss, das man über eine Wendeltreppe aus Sandstein erreicht. Die nur durch Gewände getrennten vier Fenster gehören zur großen Ratsstube, wo früher die Rats- und Gerichtssitzungen stattfanden und auch heute noch der Gemeinderat tagt.  Besonders sehenswert sind hier die sieben Wappenscheiben aus Buntglas in den Fenstern, die die Wappen der damaligen Obrigkeiten wiedergeben.

Das dreistöckige Dachgeschoss diente als Speicher zur Getreidelagerung und später im 19. Jahrhundert als Trockenraum für den in der Gemeinde angebauten Tabak.