Station: [12] Abstinenzler-Kammer


F: Rauchen gefährdet die Gesundheit. Rauchen kann tödlich sein.

M: Auf jeder Zigarettenschachtel findet man abschreckende Bilder, pechschwarze Raucherlungen, verfaulte Zähne. Aber gibt es solche drastischen Bilder auch auf Schnapsflaschen? Wohl kaum.

F: Im ausgehenden 19. Jahrhundert sah das etwas anders aus. Der Alkohol war ein ernsthaftes gesellschaftliches Problem. Mit eindrücklichen Illustrationen, Zeitungsberichten und Postkarten versuchte man die Menschen zu sensibilisieren. Kein leichtes Unterfangen.    

M: Denn Europa befindet sich damals mitten in der Industrialisierung. Die Menschen strömen in die Städte, in der Hoffnung auf Arbeit und ein besseres Leben. Doch die Arbeitstage in den Fabriken sind lang, die Lebensverhältnisse prekär, es gibt kaum Freizeit und noch seltener gibt es etwas zu essen. Zeitweise ist Schnaps billiger als Brot.

F: So wird der Schnaps zum Sorgenbrecher. Er sorgt für ein wohlig-warmes Gefühl in der Magengegend – wenn nötig, schon zum Frühstück. Vor allem in der ärmeren Bevölkerung ist der Alkohol ein Problem.

M: Man ist aber nicht arm, weil man trinkt. Man trinkt, weil man arm ist. Ein Teufelskreis, der bis heute anhält.

F: Auch in Bönnigheim wurde der Schnapskonsum zu einem immer größeren ein Problem. Im Pfarrbericht von 1875 heißt es zum Beispiel:

M: „Es soll sonntags mancher Excess in den Wirtshäusern und auf den Straßen vorkommen infolge von Trunkenheit … Aber leider nimmt auch die Trunksucht überhand, und namentlich wird viel selbstfabricierter Branntwein konsumiert. Auch Kinder, auch Schüler trinken Branntwein (…).“

 

Foto: © Förderverein Museum im Steinhaus e.V.